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Nachrichten aus der Region

Wissens- und Lesenswertes

  • Menschen
    01.09.2018

    GANZ IN WEISS

    Interview mit Dirk Wischnewski, seines Zeichens Süchtelns erster und einziger Stormtrooper. Dieser Mann fällt einfach auf, wenn er in seiner Stormtrooper-Rüstung durch die Stadt läuft! MeinViersen.de nahm dankend die Möglichkeit zu einem Interview an und folgte dem Ruf des wackeren Stormtroopers und besuchte ihn (selbstverständlich im Todesstern)! mV: Mir brennen gerade unzählige Fragen unter den Nägeln, aber ich fange einfach mal mit der nahe liegensten an: WIE begrüsst man einen Stormtrooper angemessen? Stormi: Gute Frage. Habe mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Am besten macht man um einen Stormtrooper einen großen Bogen. Ein Stormtrooper hat die Funktion des Militärs, der Polizei und der Exekutive. Stormtrooper können sofort vollstrecken oder eine Strafe verhängen! mV: Okay... Da stellt sich mir gerade die Frage: Wie ist Darth Vader eigentlich als Chef? Ist der wirklich so streng, wie er immer tut oder ist das eher ein sensibler Typ, der nur eine raue Schale hat? Stormi: Wie man schon in Episode 5 sieht, tötet er jeden sofort, der einen Fehler macht. Er ist streng und verzeiht keine Fehler. mV: mV: Bekommt man als Stormtrooper den wenigstens erst mal eine schriftliche Abmahnung? Gibt es eine Gewerkschaft, welche sich für die Interessen der Stormtrooper einsetzt? Stormi:  Stormtrooper müssen gehorchen und werden in Schlachten schnell verheizt. Denn es gibt ja genug Stormtrooper im Universum und jeder kann sich beim Imperium bewerben. Da gibt es schon genug Nachwuchs. mV: Süchteln hat aber nur EINEN Stormtrooper! Wie kam es dazu? Wenn man als Süchtelner beim Einkauf einem Stormtrooper begegnet, fällt einem die Kinnlade erst mal runter! Beim Fotoshooting gestern haben Autos gehupt, Busse haben sofort angehalten... Das war auch für mich eine echt witzige Erfahrung! Erzähl mal bitte davon, wie alles anfing! Stormi: Meine Stormtrooper Rüstung ist das erste Kostüm mit dem ich über die Straße laufe, sonst ging es immer vom Haus direkt ins Auto und dann zu verschiedenern größeren Veranstaltungen (explizit Fan-Conventions. Anmerkung der Redaktion). Der Stormtrooper wird in Süchteln irgendwie gut angenommen. Warum weiß ich auch nicht so genau. Jeder, der die Filme gesehen hat, kennt auch den Stormtrooper. Somit ist er halt eine vertraute Person. Ich habe vor zwei Wochen bei meiner Freundin im Garten Bilder als Lord Vader gemacht, die waren so toll, dass wir eine Woche später Bilder mit dem Stormtrooper gemacht haben. Als wir fertig waren, habe ich mich dann auf dem Bürgersteig hingestellt. Alle Autos, die vorbei fuhren haben gehupt und gewunken oder zeigten mit dem Daumen nach oben. Dann bin ich später wieder ins Haus gegangen und habe mir an dem Tag auch nichts mehr dabei gedacht. Das Erwachen kam dann erst am Folgetag. Damit fing alles so richtig an. mV: Ich kenne kaum einen Menschen, der nicht mindestens einen Star Wars - Film gesehen hat! Als ich Dir gestern für die Bilder entgegen kam und Dich das erste mal mit eigenen Augen in der Rüstung sah, dachte ich 'Verdammt! Genau wie im Film!!!' - Aber ein breites Schmunzeln konnte ich mir nicht verkneifen... Es ist schier unfassbar, wie gut Du ankommst bei den Leuten! Stormi: Viele haben mich gesehen, andere sagten, schade dass sie mich nicht gesehen hätten und wann man mich da mal wieder sehen kann? Und 2 Tage später habe ich mir dann die Aktion im Stadtgarten ausgedacht für die Kinder und auch die Eltern. Dann bin ich zum Ordnungsamt gegangen und habe alles geregelt, damit es für den Samstag keine Probleme gab. mV: Das klingt spannend! Und das Ordnungsamt kooperierte tatsächlich? Stormi: Die fanden die Aktion sehr gut und da dort eine Mitarbeiterin verabschiedet wurde, die auch noch Star Wars Fan ist, bin ich Nachmittags dann dort in voller Rüstung aufgetreten. Und als ich in den Raum kam, fing Sie sofort vor Freude an zu weinen. Die Veranstaltung im Stadtgarten war dann sehr toll und ich habe auch viel positives Feedback bei Facebook bekommen. mV: Das klingt so, als würde so etwas nun regelmässig in irgendeiner Form passieren? Oder sollte die Aktion im Stadtgarten einmalig sein? Stormi: Da im Stadtgarten an dem Tag leider nicht alle Zeit hatten, wird es eine Wiederholung geben. Mir geht es nur darum den Kindern und ihren Eltern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Außerdem möchte ich den Tierschutzverein „Notfelle Niederrhein“ unterstützen. Wir haben uns schon gemeinsame Aktionen ausgedacht die nur noch umgesetzt werden müssen. Dann habe ich auch vor, einige Aktionen in Viersen zu machen, da es dort auch viele von Star Wars begeisterte Fans gibt! Und hier noch ein Grund warum ich das mache. Mein Statement: Viele Leute fragen sich warum wir Cosplayer uns in unsere Kostüme werfen und den ganzen Tag einen auf Stormtrooper, Darth Vader, Kylo Ren, Boba Fett usw. machen. Nun, wir sind keine Darstellungsfreaks, wir brauchen das nicht um unser Selbstwertgefühl zu steigern. Auch, wenn viele den Sinn da nicht drin sehen und auch immer wieder unnötige Kommentare wie 'Das ist ja albern... Was soll so ein Scheiß... Haben die nix besseres zu tun?' fallen. Soll ich sagen warum wir das tun? Für das Lächeln der Kinder und auch deren Eltern!Wenn die Augen der Kinder plötzlich ganz groß werden vor Freude und die Eltern einfach mal nur für ein paar Minuten den Alltag vergessen Denkt mal drüber nach. mV: Schön zu erfahren, das auch ein Stormtrooper soziales Engagement zeigt! Kündigst Du Deine Aktionen vorher über Deine FB-Seite an? Und machst Du auch spontane Sachen? Stormi: Also wenn ich mal nach Aldi oder irgendwohin einkaufen gehe als Stormtrooper, dann mache ich das ohne Ankündigung. Aber bei den anderen Aktionen möchte ich auch das Kinder kommen und dann werde ich diese Aktion 5 Tage oder 7 Tage vorher in Süchtelner und Viersener Gruppen bekannt geben und auch noch auf meiner Süchtelner Stormtrooper – Seite. mV: Ich kann mir gut vorstellen, das ein Stormtrooper bei Aldi oder Lidl erst mal etwas irritierend wirkt, wenn Du spontan unterwegs bist... Da stellt sich die Frage, was denn so bisher Deine witzigsten Erlebnisse waren! - Raus mit der Sprache! Stormi: Ich bin mal als „Kylo Ren“ von zu Hause aus in den Laden um die Ecke gegangen. Hab etwa 10 Sekunden für diese 10 Meter Entfernung gebraucht. Nach etwa 5 Minuten kam die Polizei. Da hatte sich eine jüngere Frau gemeldet, weil ein angsteinflößender schwarz gekleideter Mann rum läuft. Die Polizei fand es cool. Hat ein Foto mit mir gemacht und gesagt, 'Wir können es ihnen nicht verbieten, so rum zu laufen, aber bitte rennen sie nicht mit gezücktem Lichtschwert durch die Fußgängerzone!'. Das ist mir kurz vor der Premiere von „Star Wars - Rogue One“ passiert. Ich konnte nur schmunzeln! (Ich mag unsere Viersener Polizisten einfach! Die haben die Situation jedenfalls mit viel Humor gemeistert! – Anmerkung des Redakteurs) mV: Oh Mann...! Hast Du noch mehr solcher Geschichten auf Lager? Ich komme gerade aus dem Schmunzeln kaum raus!  Stormi: Ansonsten ist es eher ruhig. Als ich als Boba Fett über die Straße gelaufen bin hat das keinen gestört! Ich war ja letztes Wochenende als Lord Vader auf einem Fest vom Süchtelner Karnevalsverein . Da haben viele Kinderaugen gestrahlt und auch die Erwachsenen waren alle total geflasht! mV: Ich kann mir tatsächlich gut vorstellen, das die Süchtelner sogar etwas stolz auf Dich sind. Hast Du ebenfalls diesen Eindruck? Stormi: Einer hatte mal kommentiert, das ich das neue Wahrzeichen von Süchteln wäre. Also über Facebook habe ich sehr viel positives Feedback bekommen. Es gibt halt viele Menschen die so was gut finden! mV: Wenn Du noch bekannter wirst, dann kann ich mir das durchaus vorstellen! Die Reaktionen der Leute auf unser Shooting waren geradezu verblüffend! Vor allem machte jeder bei dem Spaß ohne weiteres mit... Du scheinst in den Menschen echt etwas zu bewegen, eine kindliche Freude auch bei 'Erwachsenen' hervor zu zaubern. Stormi: Als Kind habe ich immer davon geträumt das mir mal ein Stormtrooper über den Weg läuft. Aber zu meiner Zeit vor 40 Jahren, da gab es so was leider noch nicht. Ich finde es auch immer toll, wenn ältere Menschen mich fragen, wann ich mal wieder so eine Aktion mache, damit sie mit ihren Enkel vorbeikommen können.  mV: Wie kamst Du an diese Rüstung? Die sieht wirklich aus wie eins zu eins aus den Filmen! Ich hatte gestern echt erwartet, das George Lucas irgendwo im Gebüsch hockt und heimlich Regieanweisungen gibt... Es hätte mich zumindest nicht mehr überrascht. ^^ Stormi: Das ist eine Shepperton Rüstung aus England. Shepperton hat 1976 schon die Rüstung für die Filme produziert. Und meine Rüstung ist wenigstens ganz. Wenn man sich Episode 4 anschaut, dann sind die Rüstungen schon geflickt und eingerissen und die Klettverschlüsse hinten nicht alle richtig zu! mV: Okay, es sieht auf jeden Fall überzeugend aus... Was muss man dafür an Dollars hinblättern? Ich stelle mir das nicht gerade preiswert vor! Stormi: Da sprechen wir Cosplayer nicht drüber. Aber man muss noch einiges dran basteln damit die Rüstung richtig hält und ordentlich sitzt. mV: Wie lange brauchst Du dafür, um die Rüstung anzuziehen? Stormi: Die ersten Male habe ich eine Stunde gebraucht. Dann war ich froh als ich die 40 Minuten Grenze erreicht hatte. Und jetzt schaffe ich es mit Hilfe die Rüstung in 30 Minuten anzuziehen. Auch alleine anziehen ist ein Problem. Ohne Hilfe geht da nichts! mV: Puh... Wer hilft Dir dabei, Dich anzuziehen, bevor Du losziehst? Stormi: Meine Freundin hilft mir beim Anziehen. Die ist auch immer dabei und schaut das im Laufe der Veranstaltung oder des Abends alles richtig sitzt. Das größte Problem ist ja immer bei den Helmen. Da sehe ich nicht viel durch und dann sagt meine Freundin mir auch immer Bescheid, ob da gerade ein Kind steht, das ich umlaufend könnte oder dort eine Stufe ist. Durch mich ist meine Freundin noch mehr Star Wars Fan geworden. Andere schauen Star Wars Filme und wir LEBEN es! mV: Wie oft habt ihr zusammen die Filme gesehen? Kann man das überhaupt noch zählen? Stormi: Mit meiner Freundin schaue ich nur Star Wars, wenn es gerade im Fernsehen läuft oder ein neuer Film auf Blu-ray erschienen ist. Oder halt im Kino. Mit meinen Kindern habe ich dann schon öfters die Filme und Serien geschaut. Meistens schaue ich mir die Filme in Ruhe an, wenn ich alleine bin. Die alten Filme habe ich bestimmt schon über 100 mal gesehen. Eigentlich schaue ich mir die Filme sowieso jeden Monat an. Ohne Star Wars geht es einfach nicht. Ich liebe dich Schwertkämpfer und die Weltraumschlachten! mV: Welchen Teil magst Du am liebsten? Stormi: Episode 5 ist mein Favorit. Schon alleine wegen Boba Fett! Und man sieht viel von Lord Vader in dem Film. (Für nicht eingeweihte: Episode 5 erschien in Deutschland als zweiter Star Wars Film. Es handelt sich um DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK – Anmerkung des Redakteurs) mV: Ich mag Lord Vader ja auch, aber habe dann doch eher immer zu den Rebellen gehalten! Was fasziniert Dich so an den eher 'dunklen Charakteren' des STAR WARS - Universums? Stormi: Um es ganz einfach zu erklären: Die bösen Jungs haben die geileren Kostüme an! Als Kind habe ich auch immer zu den Rebellen gehalten. Aber mit den Jahren hat sich das geändert. Die Kostüme, die Raumschiffe, irgendwie finde ich bei der dunklen Seite halt alles schöner. Eigentlich bin ich ja mein Leben lang immer lieb. So kann ich auch mal einer von den bösen Jungs sein. ^^ mV: Welches Deiner Kostüme trägst du denn am häufigsten? Stormi: Im Moment den Stormtrooper. Dann folgt Kylo Ren. Und dann Darth Vader, da ich dieses Kostüm noch nicht lange habe. Am wenigsten habe ich bis jetzt das Boba Fett Kostüm getragen. Boba Fett war damals mein erstes Kostüm. mV: Hast Du noch weitere Kostüme im Blickfeld, die Du Dir anschaffen möchtest? Stormi: Ich hätte gerne noch das Kostüm vom Imperialen Tie- Fighter Piloten. Eigentlich wollte ich ja nach Kostüm Nummer 4 aufhören. Aber niemand weiß was die Zukunft bringt. mV: Ich stelle mir gerade eine Frage, die Du mir mit Sicherheit beantworten kannst: Gibt es weltweit einen Cosplayer, der als 'Jabba the Hut' auftritt? - Ich weiss, das klingt echt bescheuert, aber ich muss das einfach wissen! Stormi: Bis jetzt gibt es keinen guten. Aber es gibt dieses Kostüm. Es hat einen eingebauten Ventilator und bläst sich ganz schön auf. Leider sieht es nicht besonders toll aus. mV: Ich denke, für die WIRKLICH coolen Outfits hast Du Dich entschieden. Gibt es neben STAR WARS noch andere Filme, die Dein Interesse wecken? Stormi: Ganz aktuell läuft im Fernsehen meine Kindheits - Serie „Kampfstern Galactica“. „Mondbasis Alpha 1“ fand ich auch immer sehr toll. Und ab und zu schaue ich auch schon mal Star Trek. Vom Terminator war ich auch immer sehr begeistert. Am liebsten schaue ich Filme mit Raumschiffen und Robotern. „Lautlos im Weltraum“, den schaue ich auch immer unwahrscheinlich gerne im Fernsehen... Oder auch „Flucht ins 21 Jahrhundert“. Das sind so die Klassiker aus meiner Kindheit. mV: LAUTLOS IM WELTRAUM sah ich noch vor 3-4 Wochen und habe hemmungslos geheult, als die Musik von Joan Baez erklang... Ein wirklich starker Film! Stormi: Ja, das ist wirklich ein Hammer Film, der hat sich auch voll in meinem Gehirn eingebrannt. Da wird man dann sehr traurig wenn die Roboter drauf gehen...  mV: Ich sah den unzählige male, alle zwei, drei Jahre schaue ich mir den an und er trifft mich immer ungemein mit seiner ökologischen Botschaft. Stormi: Ja, die letzten Wälder der Menschheit. Ich hätte auch so gehandelt. mV: Ja... Das Bild vom Roboter, der die letzten Pflanzen gießt, habe ich sofort vor Augen. Der Film war seiner Zeit meilenweit voraus. Stormi: Und wie Du bei meinen Fotos sehen kannst, gießen jetzt andere Leute diese Pflanzen: Nämlich Lord Vader und der Stormtrooper! :D mV: Ich traf Dich gestern zum ersten mal und hatte eher einen extrovertierten, um nicht zu sagen fast schon etwas durchgeknallten Typen erwartet. Aber dann machten wir die Bilder, saßen danach noch einige Zeit zusammen und Du widersprachst meinen Erwartungen komplett. Du kommst eher ruhig und besonnen rüber. Gleichzeitig hast Du aber den Arsch in der Hose, so eine Sache wie 'Süchtelns Stormtrooper' durchzuziehen. Ich finde das echt faszinierend! Stormi: Ich bin ja mehr der ruhige Typ. Aber wenn ich Star Wars höre geht mein Puls auf 180 und ich bekomme Herzrasen. Dann bin ich in meinem Element. Die Süchtelner Bürger haben mich zu dem gemacht was ich bin. Mit ihren positiven Kommentaren haben die mir auch ganz viel Kraft gegeben. Und das baut mich auf weitere Aktionen zu machen! mV: Ich denke, da wirst Du noch viele weitere Fans sammeln! Liegt Dein Hauptanliegen zukünftig eher im sozialen Engagement? Was sind auf längere Sicht Deine Pläne? Stormi:  Ich habe mich letztens mit dem Tierschutzverein zusammengesetzt. Ich möchte den Tierschutz unbedingt unterstützen! Nächstes Jahr werde ich auf dem Sommerfest der „Notfelle Niederrhein“ auftreten. Und dazu wird es noch eine Fotostrecke geben, der Stormtrooper als Praktikant im Tierheim. Da du mich gestern erlebt hast, kannst du dir sicher schon vorstellen was dabei raus kommen wird! ^^ mV: Ich persönlich finde es schön, das Du Deine langsam wachsende Popularität für etwas gutes einsetzt! Könntest Du Dir vorstellen, das sogar noch deutlicher auszuweiten? Ich stelle mir zum Beispiel ein Kinderhospiz vor, wo Du Kindern noch mal ein wirkliches Lächeln ins Gesicht zaubern könntest... Stormi: So was würde ich sowieso machen, da brauche ich nicht lange drüber nachzudenken. mV: Wenn meinViersen.de Dich bei so etwas unterstützen kann, dann gib uns Bescheid. Da wären wir dabei, wenn wir helfen können. Stormi: Ihr könntet ja dann gerne für mich Werbung machen, auf meiner Seite Süchtelner Stormtrooper erreiche ich ja leider nicht so viele Leute...  mV: Ich denke, das wird sich nach der Publikation dieses Interviews bestimmt ändern! Stormi: Das wäre echt schön. Ich wurde auch schon mehrmals gefragt, ob man mich Mieten kann. Ganz einfach: Ich nehme kein Geld. Wer etwas geben möchte, soll es doch dann bitte an die „Notfelle Niederrhein“ spenden, die können es wirklich gebrauchen. mV: Wir werden im Anhang die Kontodaten von 'Notfelle NIederrhein' posten und werden uns ebenso freuen, wenn wir der guten Sache dienlich sein können damit! Welche Aktionen hast Du in Viersen vor? Schwebt Dir da schon konkretes vo Stormi: Ralf Weber vom „Variete Freigeist“ in Viersen hat sich angeboten, das ich mal eine Aktion bei ihm machen kann. Da es für eine gute Sache sein soll, war auch er begeistert. Aber ich setze die Aktionen in Ruhe um. Nur nichts überstürzen. mV: Ich denke, unsere Leser haben nun einiges erfahren dürfen über Deine Beweggründe.  Vielen Dank für die Zeit, die Du Dir genommen hast für meinViersen.de! Ich muss nun langsam los, hier auf dem Todestern ist es aber auch wirklich zugig und der TIE-Fighter wartet schon... Dir weiterhin viel Freude als Süchtelns einziger Stormtrooper! Stormi: Hab ich doch gerne gemacht. Ist doch auch alles für eine gute Sache. Für so was lohnt es sich immer, zu kämpfen! mV: Das wird jeder vom MV-Team auch so sehen! Mann, viel Freude weiterhin und bleibe unbedingt so, wie Du bist! Stormi: Mich kann man nicht ändern. Ich bin ein Einzelstück! ^^ Das Interview führte Stefan Weimbs Spendenkonto Notfelle Niederrhein e.V. Sparkasse Krefeld IBAN: DE62 3205 0000 0000 2731 51 BIC: SPKRDE33 Weitere Infos unter: http://notfelle-niederrhein.de/ich-moechte-helfen.html

  • Menschen
    09.03.2018

    Gäste aus Israel besuchten Viersen

    Gäste aus Israel besuchten Viersener Stadthaus Eine Gruppe von 20 Schülerinnen und Schülern der Dror-Schule aus der israelischen Partnerstadt Pardesia war zu Gast in Viersen. Die Israelis lebten für eine Woche bei Familien, deren Kinder das Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG) besuchen. Viersens Erster stellvertretender Bürgermeister Hans-Willy Bouren begrüßte die jungen Menschen im Viersener Stadthaus. Er sagte, vor dem Hintergrund der gemeinsamen Geschichte seien Israel und Deutschland für immer miteinander verbunden. Die Schulpartnerschaft sei ein starkes Zeichen für Freundschaft und Verständigung. Die persönliche Begegnung sei unersetzlich, deswegen gelte sein Dank dem Kollegium des AMG und den Gasteltern. Die Schülerinnen und Schüler erlebten ein interessantes und spannendes Programm: Sie erkundeten den Landtag in Düsseldorf, sahen ein Fußballspiel von Borussia Mönchengladbach, waren dem jüdischen Leben in Dülken auf der Spur und schauten sich den Nachthimmel im Duisburger Landschaftspark an. 'Dankenswerterweise unterstützen zahlreichen Firmen aus der Region den Schüleraustausch' sagte Thomas Kamphausen, Schulleiter des AMG. Der Schüleraustausch zwischen dem Albertus-Magnus-Gymnasium und der Dror-Schule in Pardesia wird fortgesetzt. Bouren sagte, er hoffe, dass die Schülerinnen und Schüler viele positive Eindrücke mit nach Hause nehmen und sie vielleicht Deutschland noch einmal besuchen möchten. Er schloss mit den Worten: 'Auf Wiedersehen in Viersen.' (Foto: Stadt Viersen)

  • Menschen
    09.03.2018

    Viersens älteste Einwohnerin feiert Geburtstag

    Therese Fenners wird 112 Jahre. Am Donnerstag, 8. März 1906, erblickte Therese Fenners in Viersen das Licht der Welt. Am Donnerstag. 8. März 2018, feierte sie ihren 112. Geburtstag mit ihrer Familie im Haus Maria Hilf in Viersen. Bürgermeisterin Sabine Anemüller und der Erste Stellvertretende Bürgermeister Hans-Willy Bouren gratulierten ihr sehr herzlich zu diesem außergewöhnlichen Ehrentag. Therese Fenners ist die älteste Einwohnerin Viersens und einer der ältesten Menschen in Deutschland. (Foto: Stadt Viersen)

  • Menschen
    08.11.2017

    Interview mit Frauenpower Chorleiterin Andrea Kautny

    Wie lange bist du schon als Chorleiterin tätig? Ich habe die Tonköpfe 2001 und Frauenpower 2008 gegründet. Wie bist du dazu gekommen einen Chor zu leiten? Gesungen habe ich immer schon. Im Kindergarten, im Schulchor der Grundschule, ab 8 Jahren im Kinderchor der Kirche und ab 9 Jahren im Kinderchor der Stadt Willich. Dessen Chorleiter, Karl Kox, hat erkannt, dass ich vom Blatt singen konnte. Seitdem ich etwa 11 Jahre alt war, habe ich dann in einem Nebenraum die 2. Stimme mit den anderen Kindern eingeübt. Im meiner Schule, dem St. Bernhard Gymnasium in Schiefbahn, gab es damals keinen Oberstufenchor. Wir fanden es schade, dass niemand in unserer Abi-Messe singen würde und so habe ich – gemeinsam mit einer Freundin – einen Stufenchor gegründet. Sie wollte lieber singen, also habe ich geprobt und den Auftritt auch „dirigiert“. Danach habe ich viele Proben und auch kleinere Auftritte des Willicher Singkreises (der damals der Aufbauchor des Kinderchores der Stadt Willich war und in den man ab 16 Jahren wechseln konnte) geleitet. Als ich durch Zufall erfuhr, dass es eine Möglichkeit gibt, nebenberuflich Chorleitung zu studieren, habe ich das von 1996 bis 2000 gemacht. Meine Vision war ein junger, moderner Chor, der sich nicht hinter Notenblättern versteckt, sondern die Emotionen der Musik lebt, das Publikum mit einbezieht und den Spaß am Singen nicht verliert! Meine Tätigkeit umfasst dabei sehr, sehr viele unterschiedliche Bereiche, wie z.B. Vorbereitung, Leitung und Nachbereitung der Proben Auswahl der Literatur (manchmal höre ich 100 Lieder, bevor ich eines finde, dessen Arrangement ich für geeignet halte) Einsingen der Übungs-CDs für jede einzelne Stimme (im Gesamtklang) - Organisation der Proben, Auftritte, Probenwochenenden, Konzertreisen etc.  Ansprechpartner für alle Sängerinnen und Sänger (insg. über 200) Planungen der Konzerte, u.a. Festlegung des Programms, der Choraufstellungen, Kartenvorverkauf etc. Pressearbeit Mediengestaltung (Plakate, Homepage, Facebook) Video-DVDs der Konzerte und der Choreographie Workshops erstellen Tontechnik (Mitschnitt der Konzerte, Aufnahme unserer Studio-CDs, Mixing/Mastering) Was für musikalische Ausbildungen hast du? Chorsängerin seit dem 8. Lebensjahr, Klavier (ab 10 Jahren) und Geige (ab 11 Jahren) Studium „Chorleitung“ an der Landesmusikakademie NRW – mit dem seltenen Prädikat „sehr gut“ abgeschlossen. Wie ist es gekommen, einen Chor nur aus Frauen zu gründen? Bei den Tonköpfen (von mir 2001 als gemischter a cappella Chor gegründet), hatte ich sehr schnell eine Warteliste. Der Chor war von Anfang an als kleinere Gruppe geplant. Um ein optimales Verhältnis von Männer- und Frauenstimmen zu erzielen, habe ich sehr früh keine Frauenstimmen mehr aufgenommen. Wenn dann doch mal ein Platz frei wurde, hatte ich bis zu 15 Bewerberinnen auf 1 Stelle. Mir wurde dadurch klar, dass es im Raum Willich noch viele Frauen gibt, die sehr gut singen können, aber in der existierenden Willicher Chorszene nicht das finden, was sie suchen. Insgesamt gab und gibt es 4 weitere weltliche Frauenchöre und diverse gemischte Kirchenchöre, die aber überwiegend „typische“ Chorliteratur oder Kirchenlieder/-messen singen. Der Bedarf an einem Pop/Rock-/Musical-Repertoire schien groß zu sein. Die Einschätzung war definitiv richtig. Zu unserem ersten Treffen im November 2008 – zu dem ich in der Zeitung mit „Frauenpower gesucht“ aufgerufen hatte - erschienen 96 (!!!) Sängerinnen – über 30 weitere hatten sich gemeldet, konnten aber an dem Abend nicht kommen. Inzwischen sind wir über 170 Sängerinnen – mehr passen nicht auf unsere Bühnen. Mir war und ist es ein Anliegen zu zeigen, dass Chormusik etwas ganz Besonderes ist! Teil eines großen Ganzen zu sein, die Musik gemeinsam zu empfinden, die eigene Stimme/den eigenen Körper und seine Seele zum Klingen zu bringen, empfinde nicht nur ich als Erfüllung. Das verbindet uns alle – über alle Generationen hinweg. Und dieses Gefühl einer großen Einheit schwappt auch auf unser Publikum über. Fehlen dabei nicht die Bass- und Bariton-Töne? Aus diesem Grund singen wir die meisten Lieder mit Halbplayback. Da gibt es dann den Bass in der Begleitung. Ich habe aber viele Frauen, die sehr tief singen können, so dass wir die Bariton Lage bei einigen Arrangements voll abdecken. Nehmt ihr auch an Wettkämpfen teil? Nein. Langweilig wird es uns trotzdem nicht. Einmal jährlich, am letzten Sonntag der Herbstferien geben wir ein Konzert vor 1.200 Zuschauern in Willich. Außerdem singen wir jedes Jahr ein bis zwei Benefizkonzerte und treten z.B. auf Stadtfesten auf. Dazwischen gab es immer mal wieder ein paar besondere Highlights, wie z.B.: Dreh mit Vox für einen X-Factor-Trailer, Dreh des WDR bei einer unserer Proben, die NRWTage in Bonn (mit Exklusiv-Ständchen für die 5 ranghöchsten deutschen Politiker), Bielefeld und Düsseldorf, bei denen wir auch auf der Landesbühne konzertieren durften, Eröffnungsfeier der Special Olympics und viele andere mehr. Warum nicht? Das Potenzial und das besondere ist ja vorhanden. Bei den Leistungssingen, die der Chorverband ausrichtet, ist ein anderes Repertoire vorgesehen. Wir hätten keinen Spaß daran, solche Lieder einzustudieren ?. Beim WDR Chorwettbewerb haben wir uns anfangs beworben. Dort haben wir aber aus 2 Gründen keine Chance: Teilnahme nur ab dem Alter von 18 Jahren – bei uns singen aber auch etliche Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren, ohne die wir nicht an einem Wettbewerb mitmachen würden! Wir sind zu viele – dafür ist die Bühne nicht ausgerichtet! Wie lange lebst du schon im Kreis Viersen? Ich bin in Mönchengladbach geboren und in Willich aufgewachsen. Von 1992 bis 1998 habe ich in Düsseldorf gewohnt. Seit 1999 lebe ich wieder in Willich. Was ist so besonders am Kreis Viersen? Ich mag die gleichzeitige Nähe zur Natur und zu den Großstädten. Alles ist schnell erreichbar. Es ist lange nicht so anonym, wie in einer großen Stadt. Kultur hat hier einen Stellenwert. Wie lange gibt es die Tonköpfe schon? Seit 2001. Nach dem Abschluss meines Chorleitungs-Studiums wollte ich einen Chor gründen, den es in dieser Form hier in der Gegend noch nicht gab. A Cappella Gesang mit anspruchsvollen Arrangements vor allem aus dem Pop-/ Rock-Bereich, aber gerne auch afrikanische Musik und alle Genres, die uns gefallen. Auswendig vorgetragen, stets mit Bezug zum Publikum. Unterstützt durch eine passende Bühnenperformance. Was treibst du sonst noch – außer der Arbeit mit den Chören? Ich bin sehr glücklich mit meiner Familie: ich bin verheiratet und Mutter zweier Kinder (14 und 11 Jahre). Ich genieße es sehr, wenn wir Zeit miteinander verbringen können. Mein Mann singt bei den Tonköpfen und macht auch die Technik für beide Chöre mit Ausnahme des großen Frauenpower-Konzertes. Meine Tochter singt bei Frauenpower mit und mein Sohn programmiert und fährt die Lichttechnik bei den Benefizkonzerten. Frauenpower ist also ein echter Familienbetrieb! Ebenfalls ist mir gemeinsame Zeit mit meinen Freunden sehr wichtig! Darüber hinaus nutze ich freie Zeit zum lesen, Musik hören, Konzerte besuchen, Gesellschaftsspiele spielen, Tischtennis spielen, Wandern und Radfahren. Foto/Interview: Sebastian Schmitz Veranstaltungshinweis: Das nächste Konzert von Frauenpower findet am Samstag, 17.02.2018 in der Friedenskirche Krefeld statt. Ein Benefiz Konzert für Amnesty International. Mehr Infos unter: www.frauenpower-willich.de

  • Menschen
    27.09.2017

    Geschmackvoller Dampf!

    Der Dülkener Industrie-Standort Mackenstein hat so einige Überraschungen parat. Neben zahlreichen Großfirmen hat er auch einen waschechten Liquid-Designer für die trendige E-Zigarette hervorgebracht. Bora Duman ist seit fünf Jahren bekennender „Dampfer“. Von vielen Zigaretten pro Tag schaffte er es, mittels der sogenannten „E-Zigarette“ seine Karriere als Raucher zu beenden. In den letzten Jahren trat die E-Zigarette ihren Siegeszug an und die meisten Raucher dürften sich zumindest ein Mal mit dem Gedanken beschäftigt haben, ob der Umstieg auf die deutlich weniger schädliche E-Zigarette nicht lohnenswert erscheint. Eine E-Zigarette produziert keinen Rauch wie ein herkömmlicher Glimmstengel, sondern es wird mittels Erhitzung einer Flüssigkeit (dem „Liquid“) Nebel erzeugt. Die für die E-Zigarette unverzichtbaren Liquids gibt es mittlerweile in hunderten von verschiedenen Geschmacksrichtungen. Der frische Umsteiger nutzt in den meisten Fällen zuerst Tabak-Aromen, um später dann in die gesamte Geschmacksvielfalt der Liquids abzutauchen, welche von fruchtigen Aromen wie Erdbeere, Melone, Kirsche und vielem mehr auch exotische Überraschungen parat haben wie „Currywurst“ oder „Käsekuchen“. Nur brauchbare Tabak-Aromen sind auf dem Markt bisher rar gesät. Hier an dieser Stelle kommt Bora Duman ins Spiel. Der langjährige und erfahrene bekennende Dampfer wollte es partout nicht hinnehmen, das Tabak-Liquids, welche brauchbar sind, so rar gesät sind. Also fing er an, mit verschiedenen Aromen zu experimentieren. Eins griff ins andere und es entstand eine Vielzahl von wohlschmeckenden Liquids. Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern besteht die Produktpalette aus eher „bodenständigen“ Geschmacksrichtungen. Vielmehr wird Wert darauf gelegt, eine hohe Qualität und Produktsicherheit zu bieten. Damit reihen sich die Erzeugnisse bei den „Edel-Liquids“ ein, allerdings (und das ist ein großer Unterschied!) zu einem bezahlbaren und fairen Preis. Der sympathische Liquid-Designer ist der Überzeugung, das Dampfen kein Luxus sein darf und es begrüßenswert erscheint, wenn immer mehr Menschen das Rauchen aufgeben und stattdessen auf das wesentlich unschädlichere Dampfen umsteigen. Bora vertreibt seine edlen Liquidkreationen durch seine Firma 'Duyu-Vape' mittlerweile europaweit und wenn man mit ihm über die Herstellungsprozesse seiner Liquids spricht, dann merkt man als erstes, wie sehr er für seine Sache „brennt“. Er erzählt mit ansteckender Begeisterung von seinen ersten Versuchen und wie er immer weiter nach Zutaten forschte, um seine Liquids zu perfektionieren. Seine größte Herausforderung waren und sind nach wie vor die Tabak-Liquids. Diese Herausforderung hat er gemeistert und von diesen Liquids hat er drei verschiedene in seinem Sortiment. Fertig ist Bora mit seinen Liquid-Kreationen noch lange nicht, denn derzeit arbeitet er daran, sein Sortiment erlesener Liquids noch deutlich auszubauen.

  • Menschen
    04.09.2017

    PARANOIA - Paranoide Power aus Dülken

    Ein Energy Drink aus Dülken, welcher europaweit vertrieben wird? – Wir von meinViersen.de wurden neugierig und besuchten  im Dülkener Industrie-Standort Mackenstein die Leute, die hinter dem Getränk stehen... „Paranoia“ nennt sich der Energy Drink und die knallbunte Dose mit dem Aufdruck von einem schreienden Gesicht und großen, stechenden Augen unterscheidet sich allein optisch schon deutlich von den Dosen anderer Marken. Beim Gespräch mit Ramazan und Massimo, den beiden Köpfen hinter dem Getränk, stellen wir schnell fest, das sich die beiden in vielen Dingen von anderen Herstellern unterscheiden. Beide sind bodenständig geblieben und wollen nah an den Konsumenten sein. Aber sie haben eine klare Vision, wie sie den großen Markt der Energy Drinks umkrempeln wollen, daher stellen sie neben dem Energy Drink „Paranoia“, welcher Taurin & Koffein enthält, ein neues Getränk namens „Paranoia Mojito“ her. Das besondere daran ist, das selbst Schwangere Personen und Kinder davon kosten dürfen, da weder Koffein, noch Taurin oder künstliche Farbstoffe darin enthalten sind. Die beiden legten sich beim Besuch von MV richtig ins Zeug und präsentierten verschiedene Varianten des neuen Getränks (pur, gemixt mit Holundersaft und gemixt mit Maracuja). Hierzu stellen wir fest: Alle drei Varianten waren überraschend lecker! Massimo und Ramazan stellen eindeutig klar, das ein mixen von „Paranoia Mojito“ eindeutig erwünscht ist, da das Getränk tatsächlich je nach Eigenmixtur verblüffend anders schmeckt. Mit Wodka konnten wir es leider nicht testen, da wir ja im Dienst waren (Schade!). Aber das werden einige Redakteure von uns bestimmt privat mal testen... Gewinnspiel: Wie schon geschrieben, will die Firma „nah am Konsumenten“ sein. Daher verlosen sie mit meinViersen.de ein „paranoides Paket“ ihrer Produkte, welches aus einer Palette „Paranoia Energy Drink“ und„Paranoia Mojito“ besteht. Dazu gibt es noch ein schickes T-Shirt, eine Dose „Paranoia Energy Drops“, zwei Schlüsselanhänger und zwei Feuerzeuge. Einfach den Beitrag liken und Ihr seid automatisch beim Gewinnspiel dabei!

  • Menschen
    24.07.2017

    Christoph 'Tappi' Tappesser im Interview

    „Mit dem Hoden auf dem Boden.“ „Bollo der Bär mag Eier mit Speck (und hat ‘ne tolle Frau)“ Der 48 jährige Christoph „Tappi“ Tappesser aus Viersen hat immer was zu tun. Er singt seit über 20 Jahren bei der Band „Ranzig“, kümmert sich mit seinem Team von der Rockschicht darum, dass der Laden läuft und organisiert noch so einige andere Veranstaltungen im Kreis mit. Die bekannteste ist wohl das ‘‘Eier mit Speck‘‘-Festival am Hohen Busch, welches bereits seit elf Jahren jeden Sommer stattfindet. Sein Engagement für das kulturelle Angebot in Viersen hat ihm bereits sogar die bronzene Plakette der Stadt eingebracht. Tappi ist einer, der das Leben genießt und den Moment lebt, das ganze gepaart mit einer typisch niederrheinischen lockeren Art, macht ihn zu einem sehr angenehmen Gesellen. Wir haben uns mit ihm in der Rockschicht getroffen, um ein bisschen mehr über die Person mit der rauen Stimme zu erfahren. Wir hatten definitiv unseren Spaß und haben sehr viel gelacht. Außerdem haben wir so einige kleine, unerwartete Geschichten zu hören bekommen. Haben wir euch neugierig gemacht? Dann lest schnell weiter! mV: Hi Tappi. Danke, dass du uns in die Rockschicht eingeladen hast und bereit bist, etwas über dich zu erzählen. Viele Leute in Viersen kennen dich bereits von der Rockschicht, als Sänger der Band ‘‘Ranzig‘‘ und Mitveranstalter und Moderator vom ‘‘Eier mit Speck‘‘. Sei so lieb und erzähl uns kurz, wie dein Leben vorher aussah und was du gemacht hast, bevor du dich als Veranstalter selbständig gemacht hast. Tappi: Ich bin nach der zwölften vom Albertus-Magnus-Gymnasium abgegangen und hab dann bei Dohmen in Dülken eine Lehre als Autoschlosser angefangen.  Ich hab danach in dem Betrieb noch ein halbes Jahr als Geselle gearbeitet. Anschließend hab ich meinen Zivildienst gemacht. Das dauerte damals noch zwanzig Monate oder so. Für mich war das eine riesen Erfahrung, die ich auch nicht missen möchte. Ich hab hauptsächlich alte Leute und Kinder mit Behinderung transportiert. Ein bisschen Pflege hab ich auch gemacht, aber nicht viel. Dort hab ich auch einen Kollegen kennengelernt mit dem ich anschließend ein halbes Jahr in Australien und Neuseeland war. Als ich zurückkam, hatte mein Vater sein altes Geschäft verkauft und wollte zwei Häuser bauen, also haben wir im Prinzip mit drei Mann zwei Häuser gebaut. Meine damalige Frau hat dann eine Boutique in Gladbach aufgemacht. Da habe ich dann zwei Jahre als Damen-Oberbekleidungs-Verkäufer gearbeitet. Das ging mir aber dermaßen auf die Eier, da du nur rumgestanden und auf Kunden gewartet hast, und wenn dann mal eine kam, hörte man beim Blick in den Spiegel oft sowas wie: „Das bin nicht ich.“ Das war ganz, ganz schlimm. Nach ein paar weiteren Jobs, habe ich mich dann 2001 mit einem Kollegen selbständig gemacht. Wir wollten im Bahnhofsgebäude unter anderem sowas ähnliches wie jetzt in der Rockschicht machen und hatten nach einiger Zeit alles geplant. Die Finanzierung stand, alles war geregelt, wir hätten uns dafür richtig kräftig verschuldet. Deswegen bin ich im Nachhinein froh, dass es dann doch nicht geklappt hat. Die Bahn, die damals noch Pächter war, wollte nicht mehr und ist in der aller letzten Sekunde abgesprungen. Das war ein halbes Jahr verschenkte Arbeit. Mit dem Gewerbe, das ich dafür angemeldet hatte, hab ich dann erstmal Caterings gemacht und gleichzeitig wurde das mit Ranzig immer mehr. Bei Ranzig hab ich mich meistens um die Veranstaltungen wie zum Beispiel die CD-Präsentationen gekümmert. So habe ich dann mehr und mehr gelernt wie man sowas organisiert. Ich hatte zum Beispiel eine Liste mit acht lokalen Anbietern für Klohäuschen. Wer hat das schon?(lacht) Mit der Zeit hat sich dann der Rest ergeben. mV: Wir sind ja hier heute in der Rockschicht. Wo ihr verschiedene Konzerte und Diskos veranstaltet. Wer steckt eigentlich, außer dir noch hinter der Rockschicht? Tappi: Der Rockschichtverein sind gut 70 Leute. Diejenigen die eigentlich ständig was machen, sind allerdings nur vier Leute. Neben mir Michael Kaas, Ralf Gehlen und Jürgen Dorsch, der auch der Vorsitzende des Vereins ist. Die Vereinsmitglieder zahlen eine Jahresgebühr von 60 Euro, dafür haben die dann bei den Dorfdiskos freien Eintritt und ein Konzert im Jahr frei. mV: Kann man dem Verein noch beitreten? Tappi: Klar. Das ist der Rockschicht e.V. (anm. d. Red.: findet man im Internet) Ohne gute Leute die da zusammen arbeiten und ohne den Verein würde das nicht funktionieren. Das würde auch nicht funktionieren, wenn wir nicht einmal im Monat eine Disko machen würden. Ich versuche einmal im Monat eine Disko zu machen und  einmal im Monat eine Tribute Band hier zu haben. Diese beiden Veranstaltungen mache ich eigentlich, um die zwei Bands die ich dann sonst noch im Monat buche zu finanzieren. Wir hatten zum Beispiel hier mal Lisa and the Lips. Das ist eine Soul-Sängerin mit Band aus den USA. Bei ihrem ersten Konzert waren nur 21 Leute da, das war aber ein absolutes Highlight in unserem Laden. Ein halbes Jahr später habe ich die direkt nochmal gebucht, da kamen dann direkt 120. So hatte sich das rumgesprochen. Das ist eine Band, die würde ich auch immer für das Eier mit Speck buchen, wenn das zeitlich mal passen würde. Trotzdem muss man den Abend mit den 21 Gästen ja erstmal finanziell verkraften können, um nochmal das Risiko einzugehen. Ich mach das aber gerne. Ich mache das auch gerne in Viersen. In Mönchengladbach hätte ich da nicht so Bock drauf. Es ist zwar nicht leichter hier was zu machen, auf keinen Fall, aber irgendwie fühlt sich das richtiger an. Hier weiss ich, was man den Leuten zumuten kann, sowohl musikalisch als auch finanziell. Trotzdem: Bei den Karnevalspartys zum Beispiel tun sich die Leute zum Teil immer noch schwer damit, dass sie hier Eintritt zahlen müssen. Früher war der Lückenfüller an Altweiber draussen und umsonst, da wurden dann über die Jahre immer mehr eigene Getränke mitgebracht und an unseren Ständen immer weniger verzehrt. Dann stehst du da mit deinen Kosten und alle wundern sich, dass die Party plötzlich innen stattfindet und Eintritt kostet. Aber anders kannst du sowas ja leider nicht anbieten, wenn du keine finanzkräftgen Sponsoren hast. mV: Du singst bei Ranzig und ihr seid schon lange dabei. Erzähl doch bitte mal kurz, wie das mit der Band angefangen hat. Tappi: Ranzig gibt es seit 23 Jahren. 1994, da war ich 25, bin ich als letzter zu Ranzig dazu gekommen, weil ich vorher noch in Australien war. Der Grund warum es Ranzig gibt, war eigentlich, dass man als Band mit eigenen Songs, kaum Plätze fand, wo man auftreten konnte. Zu der Zeit waren die Kneipen einfach noch relativ voll und wenn du da als Band ankamst und sagtest: „Wir wollen spielen!“, kam nur die Antwort: „Nö, ihr nehmt uns nur Platz weg.“ Wir haben dann mit Ranzig Coversongs gemacht. Also nicht so Top 40, sondern eher so abgefuckte Hardrock-Sachen. Und dann auch immer mehr Punk. Das mit dem Punk lag hauptsächlich an meiner Stimme (lacht). Die Jungs hätten lieber was anderes gespielt, aber das geht mit meiner Stimme einfach nicht. mV: Wieviel Zeit bleibt dir denn neben den anderen Sachen noch für Ranzig? Tappi: Ich dachte du wolltest fragen „… im Leben.“ (lacht). Nö, Ranzig geht immer vor. Wenn wir ein Konzert haben, dann bin ich halt nicht in der Rockschicht. Dafür sind wir ja zu viert. Aber das ist auch nicht mehr so viel wie früher. Es gibt einfach auch vieles was wir nicht mehr machen, wie Schützenfeste. Ein paar wenige Ausnahmen gibt es aber auch da. Weil da manchmal echt Sachen dabei sind…leck mich am Arsch. Ob wir über zwei Stunden auf unsere Kohle warten mussten oder uns irgendwelche Idioten anbrüllten, weil angeblich zu viel Nebel im Zelt wäre, irgendein Hansi absichtlich den Strom abgeschaltet hat usw. So Dinger haben wir ohne Ende gehabt. Aber aus solchen Geschichten kann man auch was lernen. Wenn man selber weiß, was am Ende wichtig ist für die Bands und wenn es nur so Kleinigkeiten sind, wie belegte Brötchen und Kaffee bei Ankunft oder sowas, dann ist das natürlich nicht verkehrt, wenn man das als Veranstalter selber macht. Das freut die Bands und die kommen dann gerne wieder. Wir kümmern uns immer sehr um die Bands, zumindest versuchen wir das im Rahmen unserer Möglichkeiten. Wir hatten auch mal „Jaya the Cat“ hier, die wollten immer mal mit so einem Motorrad mit Seitenwagen fahren. Dann haben wir zwei klar gemacht und sind mit denen eine Runde gefahren. mV: Kannst du nochmal für die Leser, die ‘‘Luft und Pumpe‘‘ noch nicht kennen, kurz erklären was das ist? Tappi: Im Prinzip ist das wie ein Kneipenfest nur mit Fahrrädern. Und ohne Kneipen. Und ohne Bands. (lacht) mV: Wie hat das ganze denn angefangen? Tappi: Ich gehöre zu den Leuten, die hier gerne leben. Auch wenn viele diese Meinung nicht teilen. Der Niederrhein ist eigentlich ganz nett. Deshalb wollte ich eine Fahrradtour machen, bei der man an verschiedenen Orten Künstler hat. Das sollten aber keine Kneipen sein und keine typische Veranstaltungsorte, eher so: Der Nachbar macht seine Scheune auf und zeigt den Leuten seinen Hof. So hat das eigentlich auch angefangen. Wir haben vier Orte, wo wir kleine Bühnen aufbauen. Da treten dann Stand Up Comedians auf. Ich hätte auch gerne mal Artisten oder so, aber das können wir in der Regel nicht bezahlen. Das Ganze fängt auf dem Hof vom Markus Heines, einem Schreiner aus Süchteln an, da tritt dann der erste Künstler auf. Gefolgt von einer Rundtour an die verschiedenen Orte und am Ende trifft sich alles wieder beim Heines. Wer will, kann dabei auch an einer Art Schnitzeljagd teilnehmen. Man bekommt einen Zettel und kann mitspielen. Natürlich gibt es auch was zu gewinnen, wir haben immer drei Hauptpreise und ein paar Trostpreise. Vorheriges Jahr hatten wir zum Beispiel einen Sponsor, der hat ein Wasserbett für zweieinhalb Mille spendiert. Oder mal ein Fahrrad. Am Ende gibt es immer noch ein bisschen Mucke. Wir versuchen da eher so Gipsy-mäßige Bands zu nehmen, was nicht immer so klappt, da es ja nicht so viele Bands in dem Bereich gibt. Wir machen das jetzt sieben Jahre und 2015 waren wir das erste Mal ausverkauft. In dem Jahr hatten wir auch das erste Mal gutes Wetter. (lacht) mV: Kommen wir zum Eier mit Speck: Zusammen mit Christoph Jinkertz, Saori und Jürgen Haigh bist du ja einer der Mitveranstalter. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, sowas in Viersen auf die Beine zu stellen? Tappi: Das war nicht meine Idee, ich bin einfach nur gefragt worden, ob ich mitmache. Jürgen und Saori hatten zu der Zeit die Trafostation in Viersen und wollten halt im Sommer ein Festival machen, weil die in der Trafostation immer ein Sommerloch hatten. Am Anfang habe ich selber noch nicht so viel davon gehalten, weil es im Prinzip relativ schwierig ist, die Leute dahin zu kriegen. Ich war ja auch damals auf den Festivals die der Edu (Anm. d. Red.: Hermano Booking) gemacht hatte. Eines davon war am Ransberg und eines am Hohen Busch, die waren beide Top, und trotzdem kamen kaum Leute. Dann hab ich halt gesagt: „Ich mache mit, aber dann müssen wir irgendwie was anderes machen.“ Also haben wir direkt entschieden, dass wir drei Tage mit zelten und Frühstück machen. Am Anfang hatten wir jeden Tag eine Tribute-Band, damit die Leute kommen. Was auch geklappt hat. An dem ersten Samstag hatten wir dann auch 800 Leute und 15 Zelte. Damals war noch alles auf einem Platz, dort wo heute der Festival-Platz ist. Eigentlich haben wir uns gedacht, wir machen das mal und gucken, ob es klappt. Mit den Jahren wurden die Leute immer mehr und wir waren auch nicht mehr auf die Cover-Bands angewiesen. Aber hätten wir vor elf Jahren gewusst, welche Kosten da dranhängen, hätten wir das nie gemacht. Das ist echt Wahnsinn. Es ist jetzt seit vier Jahren immer ausverkauft und größer wollen wir es auch nicht machen. mV: Welches war dann der erste große Act beim Eier mit Speck? Tappi: Der erste große Headliner war für uns „Pothead“ aus Berlin. Ich glaube, die waren sogar im ersten Jahr da. mV: Wie sucht ihr die Bands aus? Tappi: Meistens entscheiden wir zu dritt. Jeder macht mal einen Vorschlag und der wird dann mehr oder weniger gut angenommen. Eigentlich sind wir uns bei 60-70% der Vorschläge einig. Aber es gab auch schon mal ein bisschen Streit. (lacht) mV: Hattet ihr auch mal junge Talente da, die später groß geworden sind? Tappi: Ja, das war „Volbeat“ halt. Marteria hatten wir 2012 auch mal da. Aber die kriegen wir wohl jetzt beide nicht mehr. (lacht) mV: Wann beginnt ihr mit den Vorbereitungen für das EMS? Tappi: Mit Eier mit Speck bin ich weit über ein halbes Jahr beschäftigt, eher ein ganzes - bis nach einem EMS alles durch ist mit Steuern und so. Dann machen wir im Oktober noch eine Party für die Helfer. Im November machen wir mal gar nichts und fangen im Dezember wieder an, das Nächste vorzubereiten. mV: Wie kamt ihr auf das Gimmick mit dem Eier mit Speck-Frühstück? Gypsy Rose Lee, die Striptänzerin, hat immer so sinngemäß gesagt: „Nur strippen ist doof, man braucht dabei auch immer ein Gimmick.“ So eine Feder-Boa oder so. Auf der Suche nach einem Gimmick, und weil der Budda ja gelernter Koch ist, sind wir dann auf das Frühstück gekommen. „Eier mit Speck“ war anfangs nur als Arbeitstitel gedacht. Bis dann der Vertriebsleiter von Diebels sagte: „Wieso? Der Name is‘ doch jut.“ und dann haben wir es halt so gelassen. mV: Hast du auch noch Zeit das Festival selbst zu genießen? Tappi: Ich selbst habe eigentlich noch ziemlich viel von dem Festival. Ich sag ja jede Band an, dann gehe ich nach draußen und hör mir noch ein paar Stücke an, kommt aber auch immer so in bißchen drauf an, wieviele Leute mich anquatschen. Das ist mit den Jahren immer mehr geworden. Früher konnte ich noch über den Platz laufen und dann haben dich zwei Leute angequatscht. Heute quatschen dich aber zwanzig an. Und jeder will nur mal ganz kurz und labert dann fünf Minuten auf dich ein. Dann stehst du da und bekommst von der Band nichts mehr mit. Das ist ja auch nicht böse gemeint. Wenn mich jemand was fragt, dann antworte ich ja auch vernünftig. Vor allem je später der Abend ist, umso betrunkener werden die. Und umso mehr rotzen die und du verstehst kein Wort. Wenn ich ein Funkgerät dabei habe, tu ich dann gerne mal so, als hätte man mich wegen was wichtigen angefunkt. (lacht) Deswegen bleibe ich mittlerweile dann auch öfter lieber mal hinten im Backstage, insbesondere dann, wenn ich von den Bands auch was mitbekommen möchte. mV: Was war das für eine Story mit dem nackten Mann auf dem Eier mit Speck im Jahr 2016? Tappi: Das waren sogar zwei. Einmal der Meista Fader von der ‘‘Trash Dance“, der saß bei „Fünf Sterne Deluxe“ auf der Bühne. Und der andere hatte bei den „Donots“ blank gezogen und ist Crowd surfen gegangen. mV: Gibt es irgendwelche lustigen Backstage Geschichten, die du uns erzählen kannst? Tappi: Ach da gibt es einiges. Ob es der Manager der „Fish Brothers“ war, der morgens dem Keyboardkoffer entstieg, oder einer unserer Helfer, der sich von anderen Helfern und einem der Jungs von „Skinny Lister“ alte Gitarren auf dem Kopf zerkloppen ließ. Das ist immer ganz nett. Auch wenn es viel Arbeit ist und Nerven kostet. Freitags denkst du dir immer „Das machst du nie mehr!“, aber sonntags denkst du schon wieder: „Boah geil! Das machen wir nächstes Jahr wieder!“ Das ist wirklich so. Jedes Jahr. mV: Du singst bei Ranzig, hast das Eier mit Speck von Anfang an mit organisiert, du machst die Rockschicht, Luft und Pumpe usw. Das ist schon nicht wenig. Machst du noch irgendwas nebenbei von dem die Leute in der Regel nichts wissen? Tappi: Ich übersetze auch noch holländische Kinderlieder ins deutsche und singe die teilweise ein. Das sind so Minidisko-Sachen, wo die Texte so gestaltet sind, dass die Reime dann auch immer Choreographien ergeben. Was im holländischem funktioniert, muss ich dann ins deutsche wieder so übersetzen, dass es sich auch wieder reimt und am Ende wieder zur Choreographie und der Musik passt. Das ist gar nicht so leicht. Wenn das im holländischen heißt, „met de voeten op de grond“ was machst du da auf Deutsch? Auf Boden, reimt sich leider nur Hoden. (lacht) Wenn du mal auf Mallorca in so einen Kidsclub kommst, kannst du mich hören. Die Mucke hat sogar eine goldene Schallplatte geholt. (lacht) Oder wenn ihr Bollo den Bär von Landal GreenParks kennt, den hab ich auch eingesprochen. mV: Das kam jetzt mal unerwartet. Wie kommt man an so einen Job? Tappi: Ich habe eine bekannte, die im Marketing-Bereich eines Blumenparks in Holland gearbeitet hat. Ich hab dann damit angefangen, alles was im Park ausgeschildert war zu übersetzen, da waren dann auch so Sachen wie Bio Mach Asa2 Teichfilter System (lacht), das verstehst du auf Deutsch ja schon nicht. Aber halt dann auch die Namen der Blumen usw. Über diese Bekannte bin ich dann später an diese Textübersetzung gekommen. Was mir auch besser liegt, als diese Rosen und was weiß ich was. Ich hab nicht so den grünen Daumen sag ich mal. (lacht) mV: Was ist dein Antrieb? Warum machst du all diese Sachen und Veranstaltungen? Tappi: Keine Ahnung, wahrscheinliche aus dem gleichen Grund, warum ihr das hier macht. (lacht) mV: Ok, aber steckte da ein Plan hinter? Tappi: Nee, nee. Da war überhaupt nichts geplant, ich bin in alles reingerutscht, ohne Scheiß. Ich bin bei Ranzig reingerutscht, also die haben mich gefragt, ob ich bei denen singen will. Bei vielen anderen Dingen war es ähnlich. Ich denke da auch nie drüber nach, warum ich das mache. Ich häng da drin und mache das gerne. Ich habe aber tatsächlich Spaß daran, wenn Leute einen schönen Abend haben. Auf der anderen Seite ärgert es mich, was die meisten Leute so hören. Es gibt so gute Bands, die kaum einer kennt und irgendein Scheiß wird gehyped. Mich ärgert auch was Leute im Fernsehen gucken. Mich ärgert, dass es so unglaublich viele Leute gibt die nichts mehr mitkriegen. Umso mehr freut es mich dann, wenn ich so einen Abend mache, und dann kommen Leute. Selbst wenn sie RTL gucken, oder sogar RTL2 gucken. (lacht) Dass ich sogar von denen noch fünf Leute hier hinkriege, die dann sagen: „Oh, dat war aber en nettes Konzert.“ Das ist auch nicht überheblich gemeint, aber wir verblöden doch alle. Das bringt aber nichts, wenn man dann nur rummeckert: „Guck doch nicht dat, mach doch nicht dat.“ Man muss den Leuten auch was anbieten, damit sie eventuell selbst mal auf die Idee kommen, da mal hin zu gehen. Trotz allem, ich mache das nicht deswegen damit die Leute mal vom Fernseher weg kommen, mich freut das nur hinterher. mV: Gibt es von all den Sachen die du so machst, etwas das du am liebsten machst oder auf das du am ehesten verzichten würdest? Tappi: Nö, hab ich eigentlich nicht. Also was mir jetzt am liebsten wär. Aber auf was ich am ehesten verzichten könnte, das wäre diese Minidisko-Sache. Dat ist halt so doof. „Met de voeten op de grond“. Das ist immer dasselbe. „Wir drehen uns im Kreis“, wir machen dies, wir machen das und alle singen „ja!“. Das ist eigentlich nur anstrengend. Die covern dann irgendeine Nummer, so ganz schlimme Mucke, „Cotton Eye Joe“ von Rednex oder sowas, und machen da einen holländischen Text drauf. Von den Männerstimmen singe ich ungefähr die Hälfte, weil meine Stimme für die anderen nicht passt. Dann muss ich mich ja auch noch konzentrieren das sauber einzusingen, und nicht meinen klassischen Niederrheiner-Dialekt rauszulassen. Das Ganze muss dann inklusive aller Backgroundstimmen bis zu zehn Mal eingesungen werden. Danach hast du die Nerven blank, wenn du da raus bist. Also darauf könnte ich tatsächlich verzichten, das muss ich nicht unbedingt haben. Auf der anderen Seite: Et is ja für die Kinder! mV: Danke für das lustige und interessante Gespräch. Möchtest du noch abschließend was sagen? Tappi: Ich hab auch eine sehr liebe und tolerante Frau. Also die liebt auch Live-Musik und hilft viel, das würde sicherlich nicht jede Frau so mitmachen. Klar, manchmal sagt sie mir auch mal: „Jetzt reicht es aber, dieses Wochenende mal nicht.“ Das ist ja auch ganz gut, damit man sich nicht übernimmt. Aber das ist nun mal mein Job. Wenn ich jetzt Koch wäre und immer am Wochenende arbeiten müsste, dann wäre das ja auch nicht anders. Dann wäre die nur dicker. Bei mir gibt es aber nur Brot. (lacht) Aber das ist schon gut so wie es ist. Wenn du bei dem Job jemanden hast, der dich da machen lässt und dich auch unterstützt, hast du schon fast gewonnen. Wenn man sowas macht wie ich, dann darf man sich keine Gedanken darüber machen was mit 65 ist. Das ist schon auf der einen Seite relativ blauäugig, aber auf der anderen Seite lebt man jetzt und nicht in dreißig Jahren. Wenn ich morgen tot umfalle und das eine Stunde vorher wüsste, würde ich sagen „Pfff! Alles in Ordnung.“ Ich würde mir nicht vorwerfen, dass ich irgendwas hätte anders machen sollen oder so. Alles, was ich so machen wollte, habe ich auch irgendwie hinbekommen. mV: Gute abschließende Worte. Ich glaube, dass können nicht viele von sich behaupten. Vielen Dank für das Gespräch, Tappi. Alles Gute weiterhin! Interview: Angelo Rossié, Stefan Weimbs, Marcin Wrobel Bild: Andreas Döring

  • Menschen
    28.03.2017

    Aeverium - Viersener Gothic-Metal-Band mit neuem Album!

    Aeverium, die erfolgreiche Gothic Metal Band aus Viersen, präsentiert bereits ihr zweites Album und geht erneut auf Tournee. Im Januar 2014 hatten sie in Süchteln auf dem Festival 'Süchteln brennt' ihr erstes Live-Debüt und seither geht die Musikkarriere steil bergauf. In enger Zusammenarbeit mit dem Label 'Out of Line' veröffentlichten die sechs Musiker im März 2015 ihr erstes Album 'Break out'. Wir von MeinViersen haben uns mit dem Sänger Marcel Römer getroffen und uns über das neue Album 'Time' unterhalten, das ab heute auf dem Markt erhältlich ist.  mein Viersen: Morgen kommt das neue Album raus, läuft bei euch. Aeverium: Ja, es läuft ganz gut. War aber auch viel Stress. Gerade jetzt auch im Zuge der Aufnahmen, im Studio, gab auch ganz schön viel Chaos. Die Zeit fehlte, deswegen heißt das Album auch 'Time'. Das hatte sich wie ein roter Faden da durch gezogen. Da wurde zum Beispiel das Studio gebucht und die Sängerin wird plötzlich krank und kann nicht singen. Gleichzeitig muss man sich auch an Abgabetermine halten. Also mussten wir den Abgabetermin weiter verschieben. Es war anstrengend, aber am Ende wird alles gut und das haben wir uns auch immer gesagt. Vor ungefähr vier Wochen haben wir zusätzlich unser Unplugged Album live eingespielt. Schnell gemixed, gemastert und ab zur Plattenfirma. Dann ruft die Plattenfirma an und fragt, wo die Fotos bleiben. Da sollte dann eigentlich ein Fotograf geschickt werden. Also hieß es dann, kurzfristig einen Termin vereinbaren und ab nach Essen zum Shooting. Eine Woche später hatten wir den Videodreh und zusätzlich nochmal ein Fotoshooting, nach den 10 Stunden Videodreh. Ja, war anstrengend. Ich bin froh, dass die Platte jetzt raus kommt und wir uns nur noch auf das Spielen konzentrieren und die Auftritte genießen dürfen. mein Viersen: Ja, das klingt spannend. Ihr geht ja auch auf Tour dieses Jahr? Aeverium: Ja, nächste Woche geht es schon los. Da geht es auf die große Deutschland Tour zusammen mit 'Lord of the Lost'. 14 Konzerte geben wir in den größeren Städten. Die Tour läuft bis Ende Mai. Danach folgen die Festival Gigs. Food Rock in Starnberg, Das Schloss rockt in Münster und Castle Rock 17 in Mülheim unter anderem. Zusätzlich geben wir zwei exklusive unplugged Konzerte. Einmal in Brüggen und einmal in Eindhoven in den Niederlanden. Die neue Platte kommt mit einer Deluxe Edition raus, also eine Doppel-CD mit 8 unplugged Songs und davon sind 5 neue Songs dabei und drei alte, die wir noch nicht in einer unplugged Version veröffentlicht hatten. Ja und auf der Brüggen Klassik ist 'Midge Ure' als Headliner mit dabei, worauf ich mich ganz besonders freue, da ich ein großer Fan von 'Midge Ure' bin. Ich habe den einfach mal angeschrieben und gefragt, ob er da Lust drauf hat und ja, er ist dabei. Der wichtigste Gig in diesem Jahr ist allerdings unsere Album Release Party am 20. Mai hier in Viersen in der Rockschicht. Da werden wir dann auch volles Programm spielen. Das heißt, fast das ganze erste Album und natürlich auch das neue Album. Die Band 'Heldmaschine' wird uns dann supporten. Wird auf jeden Fall eine geile Party. Tickets sind für 12€ im Vorverkauf bereits erhältlich, 15€ dann im Abendkasse. mein Viersen: Wer schreibt denn eigentlich eure Songs? Aeverium: Das Songwriting übernehmen der Andreas Delvos, unser Keyborder, Michael Karius unser Gitarrist und ich. Die Grundakkorde, also das Grundgerüst des Songs stammen immer von Andreas und Michael, ich schreibe die Drums dazu und dann setzen Michael und ich uns hin und feilen gemeinsam daran herum. Die Texte werden von unserem Gitarristen Michael geschrieben. Der hat da einfach ein Händchen für. Die Texte sind auch keine Fantasietexte, er schreibt tatsächlich immer aus dem realen Leben. Er hat zum Beispiel beim Song 'What about me' über eine Dokumentation geschrieben. Es ging dabei um einen jungen Mann, der einen Flüchtlingskonvoi mit Kamera begleitet hat. Da war vieles zu sehen, was man so in den Nachrichten sonst nicht mitbekommt. Man sah zum Beispiel Kinder die in einem Trümmerhaufen Fußball gespielt haben und die Eltern saßen Kaffeetrinkend daneben. Der Mann fragte die Eltern, wie es ihnen ginge und sie antworteten mit 'alles oke, mir geht es gut'. Dass diese Menschen trotz dieser Misere sagen, uns geht es gut, wir leben, die Kinder spielen, es muss eben irgendwie weiter gehen, hat Michael dazu bewegt, diesen Song zu schreiben. Ein sehr politischer Song eigentlich. Da wir nicht zu politisch sein wollen, haben wir das Video dazu entsprechend etwas abgeändert.  mein Viersen: Werden denn noch weitere Videos folgen? Aeverium: Wir haben auf dem neuen Album einige Songs, zu denen wir uns sehr gut ein Video vorstellen könnten. Daher haben wir schon vor, auf jeden Fall mindestens noch ein weiteres Video zu veröffentlichen und damit noch eine weitere Single zu produzieren. Wenn es aber nach uns ginge, dann hätten wir gerne mehr. Wir haben einen wirklich tollen Manager, der uns vorantreibt und da wird noch einiges von uns kommen. Man darf also gespannt sein. MeinViersen bedankt sich recht herzlich bei Marcel Römer, dass er sich die Zeit für das Interview genommen hat und wir können Euch da draußen Aeverium herzlichst empfehlen. Ein melodischer Rock, mit tiefsinnigen Texten, einer bezaubernden Stimme von Aeva Maurelle und die kräftige Stimme von Marcel Römer, eine Kombination die sich lohnt gehört zu werden. Reserviert den 20. Mai und überzeugt euch selbst in der Rockschicht Viersen. Weitere Termine findet ihr auf www.aeverium.de. Dort findet ihr gleichzeitig auch die Videos. Schaut rein, es lohnt sich. Interview: Sebastian Schmitz, Text: Tanja Müller, Foto: Moritz Maibaum

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    24.01.2017

    Kunst, die unter die Haut geht

    Die Kunst des Tätowierens ist seit Jahren endgültig im Mainstream angekommen und daraus nicht mehr wegzudenken. Vor den 90er Jahren, als der Boom der bildlichen Körperverzierung begann, galten Tätowierungen noch „verrucht“ und waren eher Seeleuten oder Gefängnishäftlingen vorbehalten. Dabei kann die Kunst des Tätowierens auf eine Jahrtausende umfassende Geschichte zurückblicken. Selbst auf der ca. 5000 Jahre alten Gletscher-Mumie Ötzi ließen sich Tätowierungen und andere Körperverzierungen nachweisen.   Die ursprüngliche Technik beim Tätowieren bestand darin, das Einschnitte in die Haut vorgenommen wurden und Tinte oder Asche darüber verrieben wurde. Heutzutage ist das Anbringen einer Tätowierung dank präziser Tätowiermaschinen nicht mehr ganz so schmerzhaft und nicht zuletzt dieser Umstand dürfte dafür gesorgt haben, das die „Hautbilder“ in den letzten 20 Jahren eine ungeahnte Renaissance erleben. Ob Handwerker, Banker oder Promi: Bei vielen Menschen sind ein oder mehrere Tätowierungen zu finden und der Trend ist ungebrochen! MeinViersen.de besuchte das Studio „Bunte Leute“ in Viersen-Süchteln und befragte die beiden Tattoo-Künstler Nicole und Marco nach Technik, Lieblingsmotiven und weiteren spannenden Dingen. Marco tätowiert seit 9 Jahren. Wie bei allem gilt: Erfahrung macht man durch Taten. Also übte er erst mal an Schweinehaut und später wurde an den eigenen Beinen die Tätowiernadel genutzt. Dank seinem Talent im Tätowieren arbeitete er dann in einem Tattoo-Studio als Angestellter und später eröffnete er mit seiner Partnerin Nicole ein eigenes Studio. Nicole fing ähnlich wie Marco mit dem Tätowieren an und sammelte überdies Erfahrungen durch andere Tätowierer, die ihr mit fachlichem Rat zur Seite standen. Seit mittlerweile fünf Jahren betreiben die beiden nun in selbständiger Tätigkeit ihr Studio und konnten sich in dieser Zeit einen festen Kundenstamm aufbauen. Während Nicole eher die bunten, und filigranen Motive bevorzugt, steht Marco mehr auf eher düstere, großflächige Schwarz-Grau-Tattoos. Totenköpfe, Dämonenschädel und ähnliches sind genau sein Ding und er blüht richtig auf, wenn er bei solchen Motiven die Tätowiernadel über die Haut des Kunden rasen lassen kann. Dadurch, das Nicole andere Motive bevorzugt, ergänzen sich die beiden in ihrer Arbeit und können ein großes Feld an Kundenwünschen abdecken. Großen Wert legen beide auf eine ausführliche Beratung der Kunden. Und auch, wenn der Computer für digitale Bildbearbeitung hin & wieder genutzt wird, skizzieren sie die Motive überwiegend auf Papier an oder direkt auf der Haut. Bei ihrer Arbeit benutzen beide nur in Deutschland lizensierte Farben. Ebenso kommen nur Einweg-Nadeln zum Einsatz. Beide schaffen durch ihr verantwortungsvolles Vorgehen Vertrauen bei ihren Kunden. Theoretisch ist es in Deutschland möglich, sich in Sonderfällen ab einem Alter von 16 Jahren tätowieren zu lassen. Dies ist möglich, wenn eine Einverständniserklärung des Erziehungsberechtigten vorliegt. Doch selbst dann entscheiden die beiden schlussendlich, ob sie mit ihrer Kunst aktiv werden oder nicht. Sie haben das letzte Wort in solchen Fällen und meist läuft es darauf hinaus, das der Kunde wiederkommen kann, wenn er volljährig geworden ist. Bei Piercings sind die beiden ebenso verantwortungsbewusst und entscheiden im Sinne des Kunden, ob sie Titan durch Körperstellen stechen oder davon abraten.  Gibt es besondere Trends, was Tattoos angeht? Nun, Schmetterlinge, Blumen und Sterne werden als Motive wohl ewig bestehen. Aber eigentlich sind jedes Jahr aufs Neue andere Motive beliebt. Letztes Jahr hatte das sympathische Kreativ-Duo sehr viel zeit damit verbracht, bei Kunden vorhandene, eher misslungene Tätowierungen zu überdecken und daraus wieder etwas Neues, ansehnliches zu erschaffen (sogenanntes „Cover up“). Beide raten entschieden davon ab, Selbstversuche zu unternehmen und schlussendlich ist es vernünftiger, direkt zu einem Profi zu gehen, als sich im privaten Rahmen von Hobby-Tätowieren Farbe unter die Haut bringen zu lassen. Foto: Stefan Weimbs, Fotostudio Weimbs-Bork

  • Menschen
    18.01.2017

    Alles, was glitzert und schön ist ...

    Am Samstag, den 14.1.2017, eröffnete in Viersen-Süchteln das Goldschmiedeatelier Classen. Besitzerin Isabell Classen kommt aus einer Familie, die seit Generationen in diesem Bereich arbeitet, genauer gesagt: Seit 1904 wird die Familientradition aufrecht gehalten, mit Schmuck zu handeln. In Viersen haben die Eltern von Isabell Classen ein Juwelier-Geschäft, in dem Frau Classen in jungen Jahren schon kräftig mithalf. Dort war sie überwiegend im Verkauf tätig. Allerdings fehlte ihr eine handwerkliche Arbeit, sie meinte auf Nachfrage: „Ich mag schrauben, bohren, ich liebe Schmuck, ich liebe Steine, ich liebe jede Arbeit auf diesem Gebiet, die Dreck macht!“. Die kreative, junge Dame ist nach über 100 Jahren die erste gelernte Goldschmiedin der Familie, alle anderen Familienmitglieder lernten das filigrane Handwerk des Uhrmachers. In ihrem Goldschmiedeatelier bietet sie ihre Schmuckkreationen an, aber vielfach stellt sie auch auf exakten Kundenwunsch Schmuck her. Mein Viersen.de wünscht der sympathischen Dame ein erfolgreiches, erstes Geschäftsjahr! Foto: Stefan Weimbs

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    11.01.2017

    Eine Live-Band aus einer anderen Zeit – Illices Diaboli

    Es ist der 16. Dezember 2016 und die Band Illices Diaboli, um den Viersener Sänger Sebastian „Dagon“ Schmitz, spielt auf der Bühne des bekannten PLWM (Phantastischer Lichterweihnachtsmarkt) in Dortmund. Es ist für die mittelalterliche Rockband das erste Mal, dass sie die Bühne des Veranstalters Gisbert Hillers bespielen. Die Stimmung ist entsprechend heiter. Der Soundcheck verläuft reibungslos, die sechs Musiker warten auf den Startschuss kurz nach der Öffnung der Eingangspforten. Um 18:00 Uhr ist es soweit und als Vorband der bekannten Bands Saor Patrol und Rapalje legen sie los. Der Auftakt macht ein eindrückliches Intro, das mit Nebelgeschwader auf der Bühne untermauert wird. Das Intro verstummt, der Schlagzeuger zählt ein und Illices Diaboli rocken souverän die Bühne. Das Publikum ist begeistert. Vor der Bühne versammelt sich eine große Gruppe aus Fans die laut mitsingen und scheinbar die Texte bereits auswendig gelernt hatten. Die Stimmung in der Konzerthalle ist heiter und nicht nur die eingefleischten Fans feiern mit. Das Publikum ist vollends zufrieden und damit auch der Veranstalter selbst. Die Band ist sichtlich überglücklich. Aber wer sind sie denn überhaupt, diese Musiker mit dem unaussprechlichen Bandnamen Illices Diaboli? Die Bandgründer Illicia und Diabolus wählten den Namen Illices Diaboli, da man zu mittelalterlichen Zeiten Musikern nachsagte, des Teufels Lockvögel zu sein, was grob übersetzt Illices Diaboli entspricht. Die Band besteht aus sieben Musikern. Die in Viersen wohnhaften Dagon und Ferun, und aus Herten und Umgebung stammenden Illicia, Diabolus, Perry, Massi und Von Paschenberg. Zusammen spielen sie mittelalterlichen Rock. Die Zutaten für diese Stilrichtung ist relativ einfach. Man nimmt Instrumente, die man in alten Zeiten gerne bespielte, wie etwa die Flöte oder das Akkordeon und fügt einige modernere Instrumente wie die E-Gitarre hinzu. Fertig ist der mittelalterliche Rock. Um es etwas spannender zu gestalten, schreiben die Musiker deutsche Texte mit mittelalterlichem Flair, die von dem Viersener Frontmann Dagon und seiner Unterstützung Ferun besungen werden. So ist in einem Lied zum Beispiel die Rede von starken Wikingern, die nur allzu gern auf Plünderfahrten gehen, um ihren nervigen Weibern zu entfliehen. In einem anderen Text wird von einer jungen Hexe erzählt, die von dem Zauber in Bann genommen wird und für immer verschwindet. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich. Manche lassen den Zuhörer träumen, manche sind kritisch, andere lustig und ein paar wenige laden zum stumpfen Mitgrölen ein. Auf diese Weise ist für jeden etwas dabei. Alle sieben Musiker sind an den Songtexten beteiligt, was zu diesem Facettenreichtum führt. Hier heißt es wohl „Viele Köche perfektionieren den Brei“. Gegründet wurde die Band wie bereits zu Anfang erwähnt von Illicia und Diabolus. Zusammen besuchen sie seit Jahren das Festival M'era Luna und dabei kam der Wunsch auf, selbst auf einer großen Bühne zu stehen. Da die Gitarristin und der Bassist selbst gerne mittelalterliche Musik wie Saltatio Mortis, Schandmaul oder In Extremo hören, war es für sie naheliegend ebenfalls diese Richtung einzuschlagen. Im eigenen Bekanntenkreis fanden sie Von Paschenberg und Perry, die sich ebenfalls schnell für das Projekt begeistern ließen. Der Zufall führte die beiden schließlich zum Sänger Dagon und seiner Verlobten Ferun. Da Von Paschenberg mit einigen anderen Projekten oft beschäftigt ist, nahm die Band zusätzlich den Schlagzeuger Massi Ende 2016 auf. Die erste große Aufmerksamkeit bekam die Formatio bei einem Auftritt beim Feuertal Festival in Wuppertal im Jahr 2015. Kurz vor diesem Auftritt produzierte die Band bereits die erste EP mit vier Liedern. Viele weitere Konzerte folgten, vor allem im Raum Viersen. Aktuell arbeitet Illices Diaboli an ihrem ersten Album. Dieses erscheint voraussichtlich im April oder spätestens im Mai diesen Jahres. Der nächste Auftritt der durch und durch sympathischen Band ist bisher auf den 17.3. diesen Jahres in Moers geplant, zusammen mit Vollbard im Dschungel Club. MeinViersen.de ist auf jeden Fall auf den weiteren Verlauf der viel versprechenden Band Illices Diaboli gespannt, nicht nur, weil zwei der Musiker aus Viersen kommen. Großes Illices Diaboli Gewinnspiel: Zu Gewinnen gibt es; Ein Offizielles Illices Diaboli Bandshirt. 4 mal Die EP „Feuerprobe“ Sowie 10 Handsignierte Autogrammkarten der Band. Like einfach unseren Beitrag auf unserem Facebookprofil: www.fb.com/MeinViersen.de Weiterführende Links: www.illices-diaboli.de www.facebook.com/illicesdiaboli Text: C. Kramer Fotos: Stefan Weimbs

  • Menschen
    27.03.2016

    Thema Depression - Laune oder Krankheit?

    Nun, ich wurde gefragt, ob ich einen Artikel zum Thema „Depression“ schreiben könnte und ich sagte zu. Erst machte ich mir Gedanken darüber, wie man am besten einen Artikel zu diesem schwierigen Thema formuliert. Wo setze ich den Schwerpunkt? Beschreibe ich einfach meinen Tagesablauf während einer depressiven Episode? Versuche ich, Menschen wach zu rütteln und dieses Thema begreiflicher zu machen? Sollte ich vielleicht ermutigendes dazu schreiben für die Menschen, die es selbst erwischt hat? Ich habe mich dazu entschieden, einfach zu schreiben. Ohne mir dabei zu viel Anspruch zu erlauben. Einen Artikel zu schreiben, der vor sich hin fließt wie diese Krankheit es in meinem Leben tut. Ich weiß wirklich nicht, wann es bei mir mit der Depression anfing. Es ist ewig her; schon in frühester Jugend dachte ich abstrakter als andere, hatte viele seelische Tiefpunkte und bewältigte diese immer wieder aufs Neue. Problematisch wurde es erst mit Anfang 30... Ständig gegen ein inneres Dunkel anzugehen, das kostet viel Kraft. Und mir kommt es so vor, das mit steigendem Alter die Kraft, um permanent gegen einen Teil von sich anzugehen, schlicht weniger wird. Vor allem wusste ich damals nicht, das mich eine Krankheit erwischt hat. Woher auch? Keiner hatte mir das gesagt. Ich ahnte instinktiv, das etwas falsch läuft und „Leben“ eigentlich mehr sein müsste, als häufig dunkle Gedanken zu haben und diffuse Ängste durchstehen zu müssen... Der Wendepunkt kam, als ich ca. 30 Jahre alt war. Ein Freund riet mir dazu, mal einen Neurologen aufzusuchen. Die Diagnose „Schwere Depression“ empfand ich als vernichtend, aber auch nicht überraschend. Häufig ist es so, das Patienten ein Röntgenbild mit einem klar erkennbaren Knochenbruch problemlos akzeptieren, aber würde ein Arzt ihnen sagen „Junger Mann, ihre Seele hat Risse“, dann würden die meisten Patienten das nicht hin nehmen. Bei mir war es anders. Ich dachte mir, innerlich befreit, „Cool. Endlich eine Tatsache. Damit kann ich arbeiten.“ Hätte ich gewusst, das mit einer Diagnose der Kampf nicht vorbei ist, sondern erst anfängt, dann wäre ich auf der Stelle wohl völlig verzweifelt gewesen... Jahre sind seitdem vergangen. Es gab viele gute Zeiten und viele schreckliche. Geschätze 15 verschiedene Medikamente wurden im Laufe der Zeit verschrieben, wirkten eine Zeit lang und dann nicht mehr. Es gibt viele Ursachen für eine Depression, genau so gibt es diverse „Schweregrade“, die einen treffen können. Fast jeder Mensch erlebt irgendwann in seinem Leben mal eine Phase, wo kaum noch was geht. Meist kommt man dann selbst raus aus dem Loch und geht gestärkt aus der Sache hervor. Andere reißt es um. Ich bin oft passiv. Ich habe oft weder Kraft, noch Lust, dieses scheiß Spiel weiterhin zu spielen. Wenn ich in meinem Empfinden dann ganz unten bin, erwacht in mir ein Kampfgeist, der mich selbst immer wieder aufs neue überrascht. Ich bin dann wütend. Wütend über diese Krankheit, welche mein Leben seit fast drei Jahrzehnten lähmt! Ich erledige dann die Dinge, die tagelang nicht erledigt wurden; anfangs wie ein Roboter und als wäre ich fremdgesteuert, nach den ersten „Erfolgen“ (glaube mir lieber Leser: Wir reden über kleine Dinge. Müll rausbringen, einen Anruf tätigen, eine Flasche Wasser endlich vom Tisch räumen, die dort ewig stand. „Heldentaten des Alltags“) fällt es dann leichter und man hat wieder mehr Kraft; geht alles wieder an. Zumindest, bis es einem wieder die Füße weg reißt und der gleiche Kampf von vorne beginnt... Und im Hinterkopf ist immer die Angst vor dem nächsten mal. Aus einem Loch heraus kommen, das bedeutet auch, das nächste steht schon bereit. Eine Depression kann einen tödlichen Verlauf nehmen. Aber im Endeffekt tötet sie ständig. Tötet Freude. Tötet Motivation. Tötet Hoffnung. All die Kraft, die ich brauche, um mit dieser Krankheit umgehen zu können, genau diese Kraft hätte ich gerne für andere Dinge. „Warum schaffe ich das? Also das ALLES?“ Ich stelle mir oft diese Frage. Ich war mit dieser Krankheit, bis sie diagnostiziert wurde die meiste Zeit allein. Daher kann ich auf Erfahrenswerte schauen im Umgang damit, wenn eine schlimmere Phase kommt. Eine schlimme Phase bedeutet bei mir, das ich schlecht schlafe, weil ich Nachts vor lauter Gedanken kaum dazu komme und das Geräusch des eigenen Atmens die Ohren betäubt. Die Gedanken sich nur im Kreis drehen und das Grübeln kein Ende nimmt. Um morgens dann nach einer Nacht ohne Tiefschlafphase als erstes daran zu denken, allem ein für alle mal ein Ende zu setzen. Und dann hat der Tag erst begonnen... Die kleinen Dinge werden dann als erstes erledigt, danach die schwierigeren. Später geht es dann alles leichter, ich bin im Flow, sozusagen. Meine Arbeit lenkt mich ab und lässt mich ein wenig Ruhe spüren. Es tut mir gut, wenn Kunden zu mir kommen und zufrieden sind mit meiner Arbeit. Ich versuche, die Depression mit Kreativität zu bekämpfen. In all den Jahren hat dies bisher am besten geholfen. Ausserdem bin ich in der glücklichen Situation, mir die Arbeit einteilen zu können. An miesen Tagen lasse ich die Arbeit einfach liegen und an besseren arbeite ich alles auf. In Phasen, in denen es mir Wochen am Stück schlecht geht, wird es schwierig, aber es ist immer machbar. Die feste Struktur des Tagesablaufs gibt mir Halt. Ist eine depressive Episode durchgestanden, schaut man verwundert zurück: Alles, was einem als schier unüberwindbares Hindernis galt, ist plötzlich klein und leicht. Läuft es dann einige Wochen stabil, dann kann ich mich kaum daran erinnern, wie es ist, einen depressiven Schub zu haben. Das ist mit ein Grund, warum es einen so mächtig von den Füssen reißen kann, wenn irgendwann später ein neuer Schub auftritt: Man kann sich nicht drauf vorbereiten, wenn Wochen lang alles passabel lief und dann die Depression erneut wie eine Axt in der Seele wütet. „Depression“ gehört unter den seelischen Krankheiten mit zum quälensten, was einen erwischen kann. Glaubt mir, ich prüfe das seit mehr als zwei Jahrzehnten nach... Mir ist häufig zum weinen zumute und ich kann es nicht. Es kommt mir dann so vor, als würden sich die Tränen, die den Weg nicht heraus aus den Augen finden, sich sammeln und die Seele verätzen wie eine Säure. Ich freue mich manchmal über Dinge und für andere wirke ich eher emotionslos und unbeteiligt. Hin und wieder kann ich weinen, aber das dann aus Gründen, die mir selbst verschlossen bleiben... Ein schönes Lied, eine traurige Szene in einem Film. Plötzlich berührt mich etwas durch diese dichte Schicht Düsternis und ich bin dann traurig & gleichzeitig dankbar dafür. Das menschliche Umfeld hat hunderte Möglichkeiten, mit einem Depressiven umzugehen. In den häufigsten Fällen ist es Unverständnis. Ich kann es nachvollziehen und bin selten anderen böse darüber. Ich bin selbst nur schwerlich in der Lage, diese Krankheit zu beschreiben (und frage mich gerade, wie beschissen unstrukturiert wohl dieser Text auf unbedarfte Leser wirken wird?), wie soll sie also ein anderer Mensch verstehen können? Ich gehe seit langer Zeit sehr offen mit meiner Krankheit um und versuche, sie zu erklären. Deswegen schreibe ich diesen Text. Ich versuche, etwas zu beschreiben; einen Zustand. Ein Zustand, den jeder erleben könnte. Depression ist eine Krankheit, die jeden erwischen kann, es ist nur die Frage, wie schwer und in welchem „Härtegrad“. Es ist wie Krebs. Ein Krebs im Herzen & in der Seele. Ich sehe nun den Text und bin enttäuscht, das er so kurz ist. Aber er könnte hunderte Seiten umfangen und würde sich immer nur im Inhalt wiederholen; wie jeder Tag im Leben eines Depressiven, der in schlimmen Phasen nur noch besteht aus „Ich muss essen“, „ich muss trinken“, „ich muss atmen“, „ich muss existieren“. Und alles andere muss dann überdies auch noch irgendwie geschafft werden... Vielleicht konnte ich einen kleinen Einblick geben davon, wie es sich anfühlt, wenn das dunkelste, was einem Schaden zufügen kann, in einem selbst ist. Dieser Text ist nun zu Ende und es ist eigentlich ein Wunder, das ich ihn schrieb. Es kostete viel Kraft. Ich überlegte lange, ob ich diesen Text anonym verfasse oder mit meinem Namen dahinter stehen möchte. Meine Antwort darauf ist schlussendlich: Ja, ich möchte mit meinem wirklichen Namen hinter diesem Text stehen, denn es wäre der falsche Weg, etwas einerseits in das öffentliche Bewusstsein bringen zu wollen um andere Menschen zum Nachdenken zu bewegen (das Thema „Schwere Depression“ ist leider immer noch ein Tabu, über das nicht gerne geredet wird), aber gleichzeitig versteckt zu agieren. Es wäre ein Widerspruch. Text: Stefan Weimbs Bild: Todd Quackenbush

  • Menschen
    17.01.2016

    Lernen, sich zu wehren – Manuel Tolls im Interview

    Seit den letzten Geschehnissen, wie beispielsweise in Köln, ist die Nachfrage nach Selbstverteidigungskursen, vor allem für Frauen, stark gestiegen. Manuel Tolls, Schulleiter der WingTsun Schule Nettetal, lehrt Teilnehmerinnen und Teilnehmern wirksame Maßnahmen und Vorgehensweisen, mit Gefahrensituationen richtig umzugehen, um im Ernstfall „zum Gegner statt zum Opfer“ zu werden. Herr Tolls, welche Strategie ist bei einem Angriff die geeignetste? Die geeignetste Strategie bei einem Angriff ist grundsätzlich, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen. Wir unterrichten immer, dass nur ein nicht gekämpfter Kampf ein gewonnener Kampf ist. Die beste Selbstverteidigung ist eine selbstbewusste Ausstrahlung, wodurch man fast gar nicht mehr in bedrohliche Situationen kommt. In der Regel suchen sich die Aggressoren Opfer und keine ebenbürtigen Gegner. Sollte es dennoch dazu kommen, sind unsere EWTO Blitzdefense Programme gerade für einen “Selbstverteidigungsanfänger” das Sinnvollste, was man üben kann. Können Selbstverteidigungstechniken kurzfristig erlernt werden? Selbstverteidigungstechniken sind relativ simpel und schnell zu erlernen. Unser Anfängerprogramm ist auf die häufigsten Angriffe, welche auf der Straße entgegengebracht werden, ausgelegt. Ich denke, das Schwierige an der Selbstverteidigung ist, dass eine Auseinandersetzung unvorhersehbar ist. Wir können nie wissen, wer, wie, wie viele oder sogar womit wir angegriffen werden. Wir schulen in unserem Programm jedoch nicht nur Selbstverteidigungstechniken, sondern auch die richtige Verhaltensweise und worauf man achten sollte. Wie wichtig sind das Selbstvertrauen, das Verhalten und die Stimme? Durch ein regelmäßiges Training steigert man auch das Selbstvertrauen. Diese selbstbewusste Ausstrahlung ist es letztendlich, warum wir nicht mehr zum Opfer werden. Falls doch, wissen wir uns ja zu wehren. Nicht nur bei den Kids, sondern gerade auch bei den Erwachsenen ist das dem Moment entsprechende Verhalten und eine laute und deutliche Aussprache eine der wichtigsten Eigenschaften, die trainiert werden müssen. Jeder ist sich, glaube ich, darüber bewusst, wie einschüchternd und bedrohlich eine lautstarke Aussage, oder eine verbale Gegenwehr sein können. Wie viel Zeit hat eine Frau um sich zu verteidigen, wie wichtig ist dabei der Überraschungsmoment? Eine gute Frage. Wieviel Zeit hat man in der Selbstverteidigung? Ein direktes und entschlossenes Handeln ist das einzige, was einem Anfänger bleibt. Falls man noch nicht viel Erfahrung mit Auseinandersetzungen gemacht hat, kann man es sich nicht leisten, so lange zu warten, bis der oder die Aggressoren zu nahe kommen oder gar angreifen. Ein entscheidender Punkt, der aus meiner Sicht viel zu wenig unterrichtet wird, ist die Angst. Man muss erst lernen mit ihr umzugehen, ansonsten lähmt sie uns und macht uns kampfunfähig. Weiß man, worauf man achten muss, so kann die Angst uns aber der größte Verbündete werden.   Was ist in der Selbstverteidigung erlaubt? In der Selbstverteidigung ist alles erlaubt, was dem Angriff angemessen ist. Eine pauschalisierte Aussage ist fast nicht möglich. Wenn meine Gesundheit oder gar mein Leben auf dem Spiel steht, dann weiß ich, dass mir dieses so wichtig ist, dass ich meinen Angreifer so schnell wie möglich Kampfunfähig mache. Das kann bedeuten, dass man ihn durch sanfte Mittel schnell zu Boden bringt, es kann aber genauso gut bedeuten, dass ich einen alkoholisierten oder sogar durch Drogen berauschten Gegner habe, der nicht von mir ablassen wird, solange er nicht wortwörtlich kampfunfähig ist. Erlaubt ist, sein Leben und seine Gesundheit zu schützen. Erst wenn dies gewährleistest ist, ist die Auseinandersetzung beendet. Dazu zählt natürlich auch die Flucht. Was genau wird bei einem Selbstverteidigungskurs trainiert? Wie schon erwähnt, unterrichten wir in unseren EWTO WingTsun Schulen mehr, als nur Selbstverteidigungstechniken. Die Achtsamkeit wird geschult, wir zeigen immer wieder, worauf es bei welchen Situationen ankommt und was unbedingt beachtet werden muss. Die Konfliktsituation richtig einzuschätzen ist schwer, aber machbar. Der Umgang mit Adrenalin und der Angst sind wichtiger Bestandteil des Trainings. Natürlich auch, die Hemmung abzulegen und sich entschlossen zur Wehr zu setzen. Bei Männern sind es meist die so genannten Ritualkämpfe, die mit einem Blickkontakt beginnen und mit dem typischen “Was guckst du so blöd” weitergehen. Und die nicht selten mit einem Tritt zum Kopf, wenn das Opfer bereits am Boden liegt, enden. Bei Frauen spielt sich dies jedoch alles etwas anders ab. Ein respektloser Grapscher, eine aufgezwungene Umarmung des Aggressors oder ein falsch interpretiertes Lächeln des vermeidlichen Opfers sind häufig der Beginn von Auseinandersetzungen bei Frauen. Wir unterrichten auch, sich selber und seinem Gegenüber deutlich zu machen, wo Grenzen sind. Grenzen erkennen, Grenzen ziehen und Grenzen bewachen bzw. verteidigen. Wer einer Frau näher kommt, als sie es ihm erlaubt, muss damit rechnen, dass der Abend nicht so ausgeht, wie er es erwartet hat. Wie wichtig ist Vollkontakttraining in ihren Selbstverteidigungskursen, sowie das Training in gemischten Gruppen? Selbstverteidigung funktioniert natürlich nicht, wenn man realitätsfremd trainiert. In unseren verschiedenen Kursen achten wir jedoch darauf, dass wir einem Beginner nicht noch mehr Angst durch stetige und viel zu übertriebene Gewalt machen. Körperkontakt ist unvermeidlich in der Selbstverteidigung. Trotzdem ist es immer nur effektiv, wenn man sowohl die Selbstverteidigungsfähigkeit steigert, als auch die Angst reduziert. Wir bieten reine Frauenkurse an, trotz allem halte ich es für sehr wichtig, dass Frauen auch mit Männern trainieren, genauso umgekehrt. In der Realität können wir es uns nicht aussuchen, wann oder wer uns wo angreift. Also müssen wir uns auch mit dem Gedanken anfreunden, dass - auch wenn es anfangs ungewohnt oder gar unangenehm ist , ebenfalls mit dem anderen Geschlecht oder mit anderen Gewichtsklassen zu trainieren. Dadurch werden die Angst und die Hemmung genommen, sich gegen jeden zur Wehr zu setzen. Nicht nur bei körperlichen Angriffen, sondern auch bei verbalen. Sowohl im Privat- als auch im Berufsleben. Welche Menschen trainieren hauptsächlich bei ihnen? Durch unser großes Angebot an verschiedenen Kursen unterrichten wir viele Kinder, Jugendliche, Erwachsene, auch in öffentlichen Einrichtungen die Bediensteten, die für unsere Sicherheit und Ordnung zuständig sind. Dann haben wir natürlich unser Erwachsenen Programm und den Unterricht von Schulen, Behörden über Polizisten und Sicherheitsdienste. Jede Sparte hat ihre Schwerpunkte, wobei diese häufig übergreifend sind. Unsere Kids WingTsun Kurse beginnen im Alter von 3 Jahren. In der Vorschulklasse bringen wir auf spielerische Weise den Kindern bei, selbstbewusster zu werden und ganz klar “Nein” sagen zu können. Aber auch, wo man “Nein” sagen darf und wo nicht. In der Grundschulklasse kommen mehr Selbstverteidigungstechniken hinzu. Und ab der weiterführenden Schule muss man auch mit weitaus größeren und kräftigeren Angreifern rechnen. Das Verhalten gegenüber anderen Kindern und Erwachsenen sind zweierlei. Deswegen unterrichten wir bei den Kindern beides. Wie verhalte ich mich gegen ein anderes Kind und wie reagiere ich, wenn mich ein Fremder Erwachsener anspricht oder sogar angreift. Rollenspiele zeigen den Kindern in allen Altersklassen, wie sie sich wann behaupten und verteidigen können und sollten. Wie wichtig ist der eigene Instinkt? Sehr wichtig. Wenn der Instinkt uns etwas rät, dann sollten wir diesen Rat nicht außer Acht lassen. Das so genannte Bauchgefühl täuscht uns nicht. Der ureigene Instinkt hat das Ziel, uns zu schützen. Ob es eine schwere berufliche Entscheidung, oder eine Gefahrensituation ist. Man sollte seinen Instinkten immer vertrauen. Wem würden Sie einen Selbstverteidigungskurs empfehlen? Wem würde ich einen Schwimmkurs empfehlen? Der Schwimmkurs ist ein gutes Beispiel, weil jede Mutter und jeder Vater wissen, wie gefährlich es ist, wenn die eigenen Kinder nicht schwimmen können. Das selbe empfehle ich aber auch für Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse. In den heutigen Zeiten, in denen die Gewalt immer präsenter und brutaler wird, wie die jüngsten Ereignisse leider wieder einmal gezeigt haben, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die Gewalt nicht hunderte von Kilometern weit weg ist. Ich würde jedem diese Kurse empfehlen, der seine Gesundheit nicht nur zur reinen Glückssache machen möchte. Wer gesund leben möchte und sich auch in schwierigen Situationen durchsetzen können will, der sollte mit dem Selbstverteidigungstraining beginnen. Zum Selbstbewusstsein, der Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungsfähigkeit kommt ein gesünderes Leben und ein trainierterer Körper noch dazu, weil man sich auch in Ernährung und Fitness mehr abverlangt.   Über Manuel Tolls: Manuel Tolls, geb 1985, ist Schulleiter der Wing Tsun Schule Nettetal und offizielles Mitglied des europäischen Verband EWTO (European Wing Tsun Organisation). Neben der Kampfkunst WingTsun lehrt und trainiert er in speziellen Kursen schwerpunktmäßig Selbstverteidigung und -behauptung für Frauen sowie Kinder. Er unterrichtet in verschiedenen WingTsun Schulen, Kindergärten, Grund- und weiterführenden Schulen mehr als 300 Kinder, Jugendliche, Erwachsene und das Ordnungsamt in regelmäßigen Kursen zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung. WingTsun Nettetal E-Mail: wt-nettetal@gmx.de Telefon: 0176/21118715 Web: www.WingTsun-Selbstverteidigung-Nettetal.de Weiterführende Informationen und Kampfkunstschulen: www.gewalt-stoppen.de Foto: Stefan Weimbs, Fotostudio Weimbs Bork  

  • Menschen
    23.09.2015

    Große Klappe, viel dahinter!

    Bei einigen Viersenern ist Ralf Weber mittlerweile bekannt wie ein tätowierter Hund mit Zylinder und Monokel. Nicht nur wegen seines eigenen YouTube-Channels, in dem er frei Schnauze seiner Hassliebe zu Viersen freie Bahn lässt und sagt, was ihm am Kreis Viersen gefällt und was nicht, sondern natürlich in erster Linie wegen seinem Engagement für Kunst und Kultur in Viersen. Nach einem langen Umweg durch verschiedene interessante Jobs, eröffnete er  zusammen mit einer Partnerin 2012 das Varieté Freigeist. Trotz einiger Anfangsschwierigkeiten und dank viel harter Arbeit erfreut sich das kleine Etablissement heute einer festen Stammkundschaft, die sogar regelmäßig aus anderen Städten wie z.B. Düsseldorf anreist, um sich am mannigfaltigen Programm des kleinen aber feinen Variete‘s zu erfreuen. Bis heute ist es ein hartes Stück Arbeit und leider bleibt der erwünschte Anklang bei den eigenen Bürgern noch etwas aus. Ein Grund mehr für uns an dieser Stelle, den erfrischend und positiv durchgeknallten Freigeist Ralf Weber einmal vorzustellen. Auch wenn die Frage schon oft gestellt wurde – trotzdem, der Vollständigkeit halber: Wie kommt man auf die Idee, in Viersen ein Varieté oder eine Kleinkunstbühne zu eröffnen? Ist das nicht schon an sich ein verrückter Plan? Ralf Weber: 'Das liegt daran, dass wir ja auch eine recht alte Stadt sind. Hier gibt es wenig Zuwachs und hier kommt einfach kein frisches Blut mehr rein. Na, wie soll ich sagen, es gibt viele alte Leute, die kennen halt ihre Heimatpflege. Da gibt es die Schützenfeste und Karnevalsvereine, das hat auch durchaus seine Daseinsberechtigung, aber die meisten sind einfach noch nicht so weit. Die verstehen die Kunst einfach nicht. Das ist nun einmal so. Kunst in Provinzen, so wie hier, ist zum Beispiel, wenn Oma Käthe, 63 Jahre, Rentnerin, im Wartezimmer von Dr. Schmitz eine Kopie von Chagall gesehen hat und sich denkt: „Oh, dat sind aber schöne Blömkes, sind dat. Dat kann isch aber och.“ Dann fängt die an zu malen, malt dreihundert Blumenbilder, macht eine Ausstellung und dann kommt die Zeitung und sagt: 'Mensch, das ist Kunst!' Das ist aber keine Kunst, das ist Bullshit. Das ist Malen nach Zahlen, aber das ist das Kunstverständnis von vielen hier in Viersen. Wie viele kennen denn die Galerie im Park oder wissen wo der Skulpturenpark ist? Ich denke, dass Viersen einfach noch eine lange Zeit braucht. Das ist aber ganz normal in den Provinzen.' Woher kam die Idee für den YouTube-Channel? Ralf Weber: 'Mit dem Filmen, das habe ich eigentlich immer schon gemacht. Ich bin ja ziemlich selbstverliebt und hab fast immer eine Kamera dabei. Im Internet hat man einfach die beste Möglichkeit, den ganzen Rotz mal rauszuhauen. Es hat ja auch ein bisschen was gebracht, als wir dann in einer Aufräumaktion das Niers-Ufer sauber gemacht haben. Vielleicht war das ja dann auch ein bisschen der Ansporn für andere, um dann ähnliche Aufräumaktionen zu starten. Am Ende war es auch ein bisschen Verzweiflung. Wenn man in einem Dorf lebt oder in so einer Kleinstadt, wie Viersen, hat man ja nix. Da macht man halt solche Faxen. Dahinter steckt aber kein festes Konzept, das ich aufgeschrieben habe. Es ist vielmehr ein festes Konzept in meinem Kopf, immer mal wieder die Kamera anzumachen. Ich habe ja immer irgendwas zu sagen. Ob das jemanden interessiert, ist eine andere Sache. Es gibt aber wirklich Leute, die mich mittlerweile dann im Supermarkt an der Kasse ansprechen, weil sie mich von YouTube und Facebook kennen. Meistens wegen meinem Kreisverkehrsvideo (lacht). Ich glaube, das ist der berühmteste Kreisverkehr Viersens.' Hatten Sie schon mal Probleme wegen Ihrer Art, weil Sie Kunden vergrault haben? Ralf Weber: 'Es ist so, dass wir diese Thematik schon einmal vor drei Jahren hatten. Gerade hatte ich mit Claudia, meiner Freundin, mit der ich den Laden betreibe, dieses Thema auch nochmal. Es gibt schon mal Kunden, aber meistens sind es Freunde, die mir dann sagen: „Du kannst mit den Leuten nicht so umgehen.“ Am Anfang, nach der Eröffnung des Ladens, habe ich den Fehler gemacht, dass ich wirklich viel gemotzt habe über Viersen. Ich dachte, ich bin ja zu was Höherem berufen - das meint man ja immer irgendwie so - also mach ich was ganz tolles für Viersen - eine Kleinkunstbühne - und dann kommt keine Sau. Da bin ich dann ziemlich damit angeeckt, dass ich unter anderem bei Facebook rumgeballert hab: Viersen ist Scheiße! Ihr seid Scheiße! Das ist natürlich überhaupt nicht gut angekommen, was ja auch verständlich ist. Dann hab ich mich wieder ein bisschen runtergefahren. Auf der anderen Seite habe ich aber auch weiter gemacht - nur anders - und über verschiedene Sachen gesprochen, die mich stören. Oder über Leute, die mir nicht passen, so wie Siggi der Cherusker von der NPD. Naja, also anecken? Ich sag das mal so: Die meisten Leute, die in unseren Laden kommen, die kennen mich gar nicht von Facebook oder YouTube. Das ist ja grad das Kuriose. Einfach mal achtzig Prozent der Leute, die zu uns kommen, kommen von überall her nur nicht aus Viersen. Es ist leider ein ganz kleiner Teil, der wirklich aus Viersen kommt und ein noch kleinerer Teil, der mich auch wirklich privat kennt. Das hat sich also noch nie wirklich negativ auf das Geschäft ausgewirkt. Ich weiß, dass es da draußen genug Leute gibt, die uns oder gerade mich nicht mögen, weil ich ein Exot bin. Das sind aber diejenigen, die immer mauscheln und das sind die die immer klüngeln, die immer an der Theke sitzen und Thekenpolitik machen: 'Dä is doch bekloppt, dä hätt se doch nit mehr all.' War die Idee, ein Varieté zu eröffnen, von Anfang an so geplant? Ralf Weber: 'Varieté ist ja eigentlich auch nicht die richtige Bezeichnung. Varieté heißt ja auch einfach nur bunte Vielfalt und ich bin vom Varieté ein bisschen weggegangen. Da steht draußen zwar noch Varieté Freigeist dran, aber demnächst heißt das auch nur noch „Freigeist“. Wir sind eigentlich eher eine Kleinkunstbühne oder eigentlich sogar nur der Freigeist. Kleinkunstbühnen kann man eigentlich auch erstmal rausschmeißen, interessiert nämlich auch keinen. Ich glaube, viele Leute meinen, eine Kleinkunstbühne ist eine Bühne, wo nur Leute unterhalb von einen Meter zehn auftreten oder was weiß ich. Tatsache ist: 2010 habe ich das Haus mit meiner damaligen Freundin gekauft - sponsored by Sparkasse - und ursprünglich war die Idee, dass ich mich hier ein bisschen verwirkliche, Künstler einlade und wir hier so im Wohnzimmer-Style ein bisschen Kultur machen. Wir haben dann auch mal etwas recherchiert und fanden heraus, dass Viersen in den 20er recht innovativ war. Es gab hier einige Bühnen. Leider kam dann der zweite Weltkrieg und der Engländer meinte, er müsse seine restlichen Bomben hier abwerfen. Das hat dem Ganzen dann den Rest gegeben. Nach dem Krieg wurden die Bühnen dann immer weiter reduziert, weil man wahrscheinlich gemerkt hat, dass die Leute gerade andere Probleme hatten, als irgendwelchen Leuten beim Schauspielern in Viersen zuzugucken. Letztlich haben wir uns dann gedacht, naja versuchen wir es einfach mal. Ich würde es nie wieder machen (lacht). Muss ich ganz ehrlich sagen. Trotz allem gibt es immer noch ein paar Durchgeknallte, die das verstehen und tatsächlich auch hierher kommen, um sich das anzugucken. Also ziehen wir das jetzt auch durch. 2012-2013 lief der Laden echt schlecht. Wir haben viele Fehler gemacht. Seit dem dann 2014 meine jetzige Partnerin Claudia in den Laden mit eingestiegen ist, kam hier erstmal so wirklich Struktur rein - auch wirtschaftlich. Da muss ich ganz ehrlich sagen, dass der Verdienst da zum allergrößten Teil an Claudia geht. Sie hat die ganze Sache gepusht und ihr Drive gegeben. Seit Mitte 2014 hatten wir dann einen echt guten Zulauf. Trotzdem ist es immer noch verdammt schwer, die Leute bei Laune zu halten.' Sind Sie gebürtiger Viersener? Ralf Weber: 'Nein! Ich komme aus so einem Loch wie Lobberich (lacht), bin in Waldniel geboren, hab die große Schleife gemacht und bin 1999 von Lobberich nach Viersen gezogen, weil ich dachte, Viersen ist der Vorhof zur Stadt. Ich habe dann aber gemerkt, dass ich in der Provinz lebe, als ich 2000 mit meine Musikprojekt - so Elektronik-Avantgarde-Musik - in der Rock Kultur Werkstatt aufgetreten bin. Da hab ich jemanden von der Feuerwehr kennen gelernt, der meinte zu mir: 'Hömma Jung, dat find isch jut, datte so Technomusik machst.', dabei mach ich keine Technomusik. 'Isch komm mit meiner Anlage vorbei.' Dann standen wir auf der Bühne unter einem selbst zusammen geschweißten Gestänge, an denen die Lampen hingen, und das uns bis zur Nase ging. Der Typ, der ziemlich kräftig war, saß auf der Bühne hinter seinem Pult, wie bei Raumschiff Enterprise auf der Brücke und wir waren da am Rumdaddeln. Das war ja eigentlich auch schon irgendwie Kunst. Ich guckte mir das so an und dachte mir: 'Dat is Provinz!' Ich bin aber trotzdem hier geblieben. Warum, weiß ich selber nicht so genau. Vielleicht, weil ich zu schissig bin irgendwo anders hinzuziehen.' Wie fing alles an? Hatten Sie schon Vorkenntnisse? Gab es irgendwelche Kontakte zu Künstlern oder Bands im Voraus oder mussten Sie diese Kontakte erst langsam aufbauen? Ralf Weber: 'Jain! Anfang 2012, bevor das Freigeist eröffnet wurde, startete ich ein paar klägliche Versuche im Comedy Bereich, unter anderem beim Comedy-Contest vom NDR. Da habe ich hier und da hinter den Bühnen schon ein paar Kontakte geknüpft. So kam ich automatisch mit verschiedenen Leuten ins Gespräch. Von da an ging eigentlich alles recht schnell. Man bekommt von Künstleragenturen Vorschläge, man tauscht sich aus und mit der Zeit bildete sich ein gewisser Künstlerpool. Hinzu kommt, wir haben auch einen großen Sympathiefaktor, weil wir die Künstler immer sehr gut behandeln, was leider nicht der Normalfall ist. Das merken die sich natürlich und wir haben hinten herum so einen kleinen Bonus. Dann kommen die Künstler immer gerne wieder. So haben wir dann auch die Möglichkeit, mal für kleinere Gagen Leute zu präsentieren, die deutschlandweit auftreten z.B. in TV-Shows wie bei Stefan Raab, Nightwash oder anderen.' Sie haben sich ja auch für Flüchtlinge in Viersen eingesetzt. Wie kam es dazu? Ralf Weber: 'Also ganz ehrlich, das war beim Spülmaschine ausräumen oder so. Wir hatten ja am 06.09.2015 die Antoschka hier gehabt, welche ein international anerkannter Clown ist. Im Zuge dessen dachten wir uns schon vor der Vorstellung, es wäre doch schön, wenn wir das Programm nutzen könnten, um was für die Flüchtlingskinder zu machen. Alle machen Sachspenden für die Flüchtlinge oder moppen nur rum, aber wir dachten uns, ein kleines Lächeln ist ja auch mal nicht schlecht für die Kinder. Wenn man sich mal überlegt, was die für traumatische Dinge erlebt haben. Unser soziales Engagement soll aber noch weiter gehen. Wir möchten gerne mit einem Kulturfonds, Kinder aus sozial schwachen Familien die Möglichkeit geben, auch mal auf der Bühne zu stehen. In Zukunft möchten wir dann auch mit der Antoschka, Clown-Workshops für diese Kinder anbieten oder Theaterstücke mit denen machen. So etwas kostet normalerweise viel Geld. Das kann sich nicht jeder leisten. Eine weitere Idee wäre ein Musikprojekt, das man zusammen mit ein paar Flüchtlingen machen könnte.' Gab es auch größere Erfolge, mit denen Sie so vorher nicht gerechnet hatten? Ralf Weber: 'Ja, da war einmal Schräg-TV, das wir zusammen mit Cityvision gemacht haben. Die ersten drei Shows waren bumsvoll. Also da haben wir auch wirklich keine Leute mehr rein bekommen. Die Outlaws, das war so eine Theatergeschichte, die ist auch super eingeschlagen. Beim ersten Mal kamen nur knapp fünfundzwanzig Leute. Es hat sich dann sehr schnell rumgesprochen, dass das eine super lustige Truppe ist. Beim zweiten Mal war dann schon alles rappelvoll. Wir haben an dem Abend keinen mehr reinbekommen. Da hatten wir nicht mit gerechnet.' Wenn Sie einen Wunsch frei hätten und sich den Auftritt eines Künstlers, einer Band oder eine Show für Ihr Varieté wünschen könnten, welche wären das? Ralf Weber: 'Das ist eine Sache, die habe ich mir noch nie so richtig durch den Kopf gehen lassen. Also ich mag den Dieter Nuhr eigentlich ganz gerne. Das würde der ganzen Sache hier mal so einen Kick geben. So ein Kabarettprogramm mit einer Größe wie dem Nuhr oder dem Pispers. Musiktechnisch hätte ich ganz gerne the Prodigy hier oder Underworld. Faithless fände ich auch nicht schlecht. Aber wenn ich mich festlegen müsste, dann würde ich gerne Faithless hier spielen lassen. Muse aber auch, vielleicht als Vorband. (lacht) Mein größter Wunsch ist aber eigentlich, hier etwas zu etablieren, was Eigenes zu kreieren, dass die Leute noch über Jahre drüber reden und sagen: 'Boah, dat is wat geiles.' Einfaches Besipiel: Letztes Jahr waren wir eingeladen in Berlin, im Schloss Belvedere, zu einer Bohème Sauvage Party, die deutschlandweit von der gleichen Truppe veranstaltet werden. Dort gab es Musik aus den 20er/30er Jahren. Alle waren entsprechend gekleidet, spielten die Spiele aus der Zeit und benahmen sich auch wie Leute von damals. Alles mit sehr viel Flair. Lustigerweise waren da fast nur Tätowierte. Alles war sehr stilvoll. Alle waren sehr lieb. Da war kein Prollvolk. Das war einfach ein geiles Gefühl, dabei zu sein. Einfach mal die Atmosphäre zu schaffen und den Leuten zu sagen, macht euch doch mal chic. Das war ja hier bei uns, als das Vierscher Ratpack gespielt hat, auch so, dass sich einige dann mal chic angezogen haben. Das ist etwas, was ich sehr gerne etablieren möchte - diese Veranstaltungen mit Swing. Auf ein Rock- und Pop-Konzert kann ich immer und überall gehen. Da treffe ich auch immer die gleichen Leute. Das ist auch ganz toll und schön, aber ich habe eigentlich ganz gerne so einen eloquenten kleinen Kreis an Menschen, die halt auch ein bisschen exklusiv sind - gerne auch durchgeknallt, ist gar kein Problem. Die müssen ja noch nicht mal auf Swing stehen, aber verstehen, dass es darum geht, mal was Besonderes zu machen, sich in Schale zu schmeißen und höflich miteinander umzugehen, so dass man immer wieder gerne zurück kommt, weil man einfach einen schönen Abend hatte, mit netten Leuten.' Das Varieté wurde schon in den 30er als Varieté genutzt, unter dem Namen „Dicker Fritz“. Im „Dicken Fritz“ gab es einen Hypnotiseur und Boxkämpfe. Wäre das nichts für Ihr Programm? Vielleicht sogar beides auf einmal? Ralf Weber: 'Ne! Also, ich fand das mal eine Zeit lang eine ganz lustige Idee mit den Boxkämpfen, aber da lässt man am besten die Finger von, wenn man sich das Geschäft nicht kaputt machen will. Sonst hat man hier ganz schnell Leute im Laden, die das nicht verstehen und dann Randale machen und so. Es gibt hier gewisse Leute in Viersen, die in Wettbüros gehen, welche es hier zu Hauf gibt und diese Leute hast du dann im Laden. Das willst du nicht, wenn du dir nicht den Laden kaputt machen willst. Nö, sowas gibt es bei mir nicht.' Wo sind Ihre Grenzen? Wo sagen Sie, dass man darüber keine Witze macht, was kommt Ihnen nicht ins Haus? Ralf Weber: 'Was ich zum Beispiel gar nicht mache, ist allgemein Politikveranstaltungen. Das mach ich nicht, weil man da sehr schnell abgestempelt wird. Es hieß ja auch mal eine Zeit lang, wir wären eine Linken-Hochburg. Hä? Alle dürfen hier rein kommen, ob CDU, SPD oder Linke, das ist mir scheißegal. Also Politik ist was, wo ich sage, da lassen wir die Finger von, kann ich sowieso nicht. Witze über Behinderte macht man auch nicht obwohl, wenn ich mir die NPD so angucke... Es gibt klare Tabuthemen, die jeder normale Mensch nachvollziehen kann. Es gibt einfach Sachen, über die man sich nicht lustig macht.' Auf welche Veranstaltung sind Sie besonders stolz? Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht? Ralf Weber: 'Jens Heinrich Claassen zum Beispiel. Da bin ich ganz Stolz drauf, weil der auch viel unterwegs ist. Eigentlich ist der ständig mit seinem Gesicht im Fernsehen, allerdings meist bei den kleineren Sendern. Auch stolz bin ich auf die Tatsache, dass Ideen und Künstler, die sich hier entwickelt haben und hier Premiere feierten, von anderen Veranstaltern dann auch aufgeschnappt oder präsentiert wurden. Beste Beispiel dafür ist eigentlich das 'Vierscher Ratpack'. Ich dachte mir: Alle machen Pop! Alle machen Rock! Alle machen Wave oder weiß der Henkel was, aber keiner macht eigentlich diese alten Sachen wie Swing oder Jazz. Da habe ich mal den fabulösen Roland, den Roland Zentgraf gefragt, ob er sich vorstellen könnte, so einen kleinen Auftritt von einer Dreiviertelstunde zu machen. Der hatte sofort Lust, hat dann noch seine Kumpels Achim und Cäcky zusammengetrommelt und das 'Vierscher Ratpack' war geboren. Es gab direkt so einen kleinen Hype. Jetzt sind sie viel im Kreis unterwegs und haben regelmäßig Auftritte. Das freut mich vor allem, weil die Grundidee in Viersen ihren Ursprung hat. Den Namen haben sie sich aber schon selbst gegeben. Was ich auch cool fand, das war die Schräg-TV Geschichte. Das sollte eigentlich auch noch mal laufen, hat aber mal wieder an Dynamik verloren, weil keine Leute kamen. Warum weiß ich auch nicht! Wir hatten verschieden Künstler aus der Kabarett- und Comedy-Szene, die Rang und Namen haben, aber eigentlich sind wir auf alle Künstler stolz, die hier aufgetreten sind, weil es alles gute Künstler sind. Die sind ja jetzt nicht irgendwie der Willi von nebenan, der ankommt und ein paar Witze erzählt. Schön war auch unsere erste Silvesterparty von 2014 auf 2015. Da waren so viele nette Leute hier, die Stimmung war gut und man merkte, die Leute finden es total toll und kommen gerne zu uns, weil sie es Klasse finden, was wir hier geschaffen haben und den Namen Freigeist auch nach außen tragen. Wenn man jeden Tag hier im Laden ist, dann empfindet man das selbst nicht so sehr als was Besonderes, aber viele Leute, auch diejenigen, die aus den Großstädten zu uns kommen, sagen zu uns, dass wir einen geilen Laden hier haben. Ich sag dann immer: 'Aber sowat habt ihr in der Großstadt doch auch oder?' Dann kommt oft die Antwort: 'Nö nö, sowas haben wir nicht bei uns.' Ich glaube, die Mischung aus Programm und Atmosphäre macht das Besondere für die Leute aus.' Gib es noch weitere Projekte neben dem Freigeist oder ein bestimmtes Ziel, welches Sie noch ins Auge gefasst haben? Ralf Weber: 'Mein Ziel ist es nicht, die nächsten zwanzig Jahre das Freigeist so in dieser Form zu machen. Da muss schon ein bisschen mehr passieren. Im Hintergrund laufen verschiedene Dinge. Einige Ideen zum Beispiel, die wir hier zusammen gesponnen haben, die würden wir auch gerne woanders machen. Ich würde schon ganz gerne mit einigen Veranstaltungen nach Köln und in andere Großstädte, um mich dort damit auch zu etablieren. Nebenbei haben wir noch ein Projekt laufen mit ein paar bekannteren Schauspielern aus Köln, das dann hier gedreht wird für ein Internetportal. Auch an neuen Musikprojekten sind wir dran. Ich sag mal so, über Freigeist könnte ich mir vorstellen, so etwas wie Freigeist Entertainment zu entwickeln. Wenn man mal ganz ehrlich ist, wird man hier halt nichts. Das ist Dorf, das bleibt Dorf und wird wohl in zwanzig Jahren immer noch ein Dorf sein. Die Leute hier zum Beispiel, die jungen Familien, die wir ja auch gerne ansprechen würden, die haben oft auch gar nicht die Kohle dafür oder die haben nicht den Kopf dafür, weil sie mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind.' Was haben Sie eigentlich vor dem Freigeist gemacht? Ralf Weber: 'Ich habe Heizungs- und Lüftungsbauer gelernt, Gesellenprüfung nicht bestanden und dann alles Mögliche gemacht. In der Fabrik gearbeitet, Postbote, im Lager - all diese Jobs, die man so macht, um sich über Wasser zu halten. Dann habe ich zuletzt als Schmuckverkäufer und Taxierer in einer größeren Schmuckfirma gearbeitet. 2003 hab ich dann die Grätsche gemacht, weil ich keinen Bock mehr hatte auf: 'Herr Weber hier und Herr Weber da! Sie müssen so sein und Sie müssen SO sein...!' Dann hab ich mich 2003 selbständig gemacht, so nach dem Motto: ich mach jetzt irgendwas mit Musikproduktion. Das war eher ein kläglicher Versuch. Eine Zeit lang war ich tatsächlich auch HartzIVer, hab eine Beziehung geführt, zwei Kinder bekommen, Gelegenheitsjobs gemacht - unter anderem beim Fernsehen als Kleindarsteller in Serien. Weil meine damalige Partnerin dann arbeiten ging und studierte, war ich dann auch eine ganze Zeit lang Hausmann. Das alles und noch ein paar andere Sachen, wie Filme schneiden, Filme vertonen und ähnliches habe ich gemacht, um ein bisschen Geld zu verdienen, bis ich dann letztendlich den Laden auf gemacht habe. Am Anfang war da auch lange Zeit noch Durststrecke, bis ich mich dann zusammen mit Claudia so langsam da raus klamüsert habe.' Gibt es demnächst eine Veranstaltung auf die Sie sich besonders freuen?   Ralf Weber: 'Nö, weil ich mittlerweile eigentlich sehr nüchtern an die ganze Sache heran gehe. Natürlich freue ich mich auf einige Künstler, die wir gebucht haben, weil ich weiß, die sind gut. Allerdings sehe ich auch immer die Kehrseite der Medaille. Dann stehen wir da und wahrscheinlich kommen wieder nur zwei Leute, aber eigentlich freue ich mich auf den Herbst und den Winter, weil ich mich dann wieder in dem Laden einschließen kann. Wenn es draußen dunkel und kalt ist, dann kümmere ich mich gerne um den Laden und mach alles schön. Es kommen auch etwas mehr Leute, weil das Freigeist einfach auch so eine schöne Winter-Location ist. Wenn hier drin die Kerzen brennen, können die Leute das diesige und kalte Wetter draußen leichter vergessen.' Vielen Dank für das interessante Gespräch Herr Weber. Alles Gute weiterhin. Ralf Weber: 'Schön hier im besetzten Paris.' (mw)

  • Menschen
    23.08.2015

    Große Gefühle aus einem kleinen Städtchen

    Schon immer war die 28 jährige Autorin Kathrin Lichters, die mit ihrer Familie in Süchteln lebt, ein großer Fan von packenden Geschichten. Seit jeher tauchte sie regelmäßig in die Welten von spannenden, fantastischen und gefühlvollen Büchern ab. Als ihr das jedoch nicht mehr genügte, griff sie selbst zum Stift, oder vielmehr zum Laptop. Heute - nach 4 veröffentlichten Büchern - fühlt sie sich bei einem renommierten Verlag gut aufgehoben und wird in wenigen Tagen ihre Fans mit einem weiteren Buch voller Emotionen beglücken. Wie es scheint muss sie, trotz damaliger Widrigkeiten, ihre Entscheidung Autorin zu werden, nicht bereuen. Ganz so, wie sie selbst sagt: »Man muss sich auch dazu entscheiden, dass man glücklich sein will und dann die Dinge ändern, die einen daran hindern.« Hallo Frau Lichters, herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben für dieses kleine Interview. Wie genau sind Sie zum Schreiben gekommen? Hatten Sie geplant Autorin zu werden? »Ich hatte nie geplant Autorin zu werden. Mein erstes Buch hat mit einer einzigen Szene angefangen, die ich im Kopf hatte und aufschrieb. Mit der Zeit wurden es immer mehr Szenen, die ich dann miteinander verband. Ohne, dass mir das zu dem damaligen Zeitpunkt so wirklich klar wurde, hatte ich den Stoff für ein ganzes Buch beisammen. Eine Freundin von mir hatte damals in die Texte reingeschnuppert und mich motiviert, es als Buch fertigzustellen. Daraufhin strukturierte ich es und schrieb es zu Ende. Ich hatte ja noch keinen Lektor, der den Text überarbeitete, und stellte es deswegen kostenlos online. Die Reaktionen darauf waren sehr gut und vielen Lesern gefiel, was ich geschrieben hatte. Durch dieses positive Feedback fühlte ich mich letztendlich bestärkt weiter zu machen.« Wie veröffentlichen Sie ihre Romane? War es schwer einen Verlag zu finden? »Am Anfang habe ich mich selbst über Amazon und das Online-Portal Neobooks vertrieben. Der Droemer-Knaur Verlag nutzt Neobooks, um nach Nachwuchstalenten Ausschau zu halten. Das war nicht so, dass ich mich damals als großes Nachwuchstalent darstellen wollte, sondern ich suchte einfach eine Möglichkeit, meine Geschichten zu vertreiben. Es lief ganz gut für mich bei Neobooks und der Droemer-Knaur Verlag wurde so auf mich aufmerksam. Meine Verlegerin sagt immer, ich war damals zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich hatte zufällig ein Thema, welches zu der Zeit ziemlich gefragt war und zu dem der Verlag noch nichts Vergleichbares im Programm hatte.« Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Bücher? »Inspiriert werde ich in erster Linie sehr stark von Musik, aber auch alltägliche Situationen und Menschen können mir Ideen für Charaktere oder bestimmte Szenen geben. Wenn diese Inspirationen für mich prägnant sind, behalte ich sie im Kopf und verwende sie später in meinen Büchern. Es gibt auch Themen, die mich persönlich interessieren und welche ich dann in meinen Geschichten verarbeite. Allerdings entwickelt man sich ja auch weiter und somit verändern sich auch immer wieder die Themen, die mich begeistern und berühren.« Wie entsteht eine Geschichte? Planen Sie im Voraus alles genau oder haben Sie eine grobe Idee von einem Thema oder einem Charakter, um die Sie dann den Rest der Geschichte konstruieren? »Bei meinem ersten Buch habe ich nicht nach einem Plott oder bestimmtem Schema geschrieben. Ich habe ja auch über vier Jahre daran gesessen und mich immer wieder in irgendwelche Ecken geschrieben. Von daher würde ich von so einer Herangehensweise abraten. Danach fing ich an, mich professioneller mit dem Handwerk des Schreibens auseinanderzusetzen. Heute ist es so, dass ich als erstes die Charaktere detailliert entwerfe, dann kommt nach und nach der Plott für die Geschichte. Gerade für die Trilogien ist es wichtig, einen Plan zu haben. Bei jedem weiteren Buch das ich schreibe, lerne ich immer noch etwas dazu.« Beim Lesen ihrer Bücher merkt man, dass Sie sich in kurzer Zeit schon ein großes Stück weiterentwickelt haben. Folgen Sie irgendwelchen Formen und Regeln,  an denen Sie feilen oder schreiben und entwickeln Sie ihren Schreibstil eher nach Gefühl? »Ich folge nicht wirklich irgend welchen Formeln oder Regeln beim Schreiben. Ich denke auch hier gilt »learning by doing«. Am besten ist es, wenn man einfach viel und kontinuierlich schreibt. Ich merke dann schon, wenn ich ältere Texte von mir lese, was mir nicht mehr so gut gefällt und wie ich es heute besser machen würde. Konstruktive Kritik ist auch sehr wichtig für mich, um mich selbst zu reflektieren. Sogar jede negative Kritik spornt mich letztendlich an, immer besser zu werden.« Glauben Sie, dass eine gewisse Demut beim Schreiben auch sehr wichtig ist? »Ja, auf jeden Fall. Man sollte nicht zu selbstsicher sein, denn man kann kein Buch schreiben, das immer allen gefällt.« Gibt es Momente beim Schreiben, die Ihnen mehr Herzklopfen bereiten, als beim Lesen? »Eigentlich ist es bei all meinen Büchern so, dass ich vom Gefühl her einfach tiefer drin stecke, als wenn ich etwas von jemand anderem lese, da ja in all meinen Büchern etwas von mir selbst steckt - meine Erfahrungen, meine Emotionen und (wie soll ich sagen) einfach ein Teil von mir selbst. Ich glaube, irgendwann hat das Lesen alleine mir nicht mehr gereicht, auch deswegen habe ich angefangen selber zu schreiben.« Haben Sie einen Lieblingscharakter? Welcher Charakter hat Ihnen beim Schreiben am meisten Freude bereitet? »Ich mag alle meine Hauptcharaktere auf ihre Art, aber ich würde sagen Lily, meine Heldin aus der Dark Ages Reihe, ist mir am wichtigsten, weil sie so eine Antiheldin ist mit vielen Schwächen, die aber auch Stärken sein können. Weil sie nicht perfekt ist und somit authentischer, kann der Leser sich besser mit ihr identifizieren. Sie macht auch die größte Entwicklung von allen durch.« Ist es schon einmal vorgekommen, dass sich eine Geschichte beim Schreiben anders entwickelte, als Sie geplant hatten? Wurden Sie jemals von einem Ihrer Charaktere überrascht? »Ich halte meinen Plott immer recht grob, weil die Charaktere stets eine Eigendynamik entwickeln, vor allem auch im Zusammenspiel miteinander. Würde ich mich an ein zu detaillierten Plott halten, würde ich mir beim Schreiben immer wieder selber ein Bein stellen.« Ihre Romane handeln alle von Beziehungen und der großen Liebe. Glauben Sie, dass dieses Thema unerschöpflich für Sie ist? »Es geht ja um zwischenmenschliche Beziehungen allgemein. Natürlich spielen auch Liebesgeschichten eine große Rolle, aber auch andere Beziehungen, wie familiäre und tief empfundene Freundschaft. Ich glaube, dass es schon etwas sein wird, was ich in meinen Romanen immer wieder behandle. Ich fühle mich momentan in meinen Genres sehr wohl, aber ich würde nicht sagen, dass ich nicht auch irgendwann einmal etwas anderes schreibe. Ich glaube, wenn man immer nur eine Sache macht, kann es seinen Reiz verlieren.« Was planen Sie als Nächstes? Steht eine Veröffentlichung bevor und falls ja, welche? »Am neunten September diesen Jahres kommt der dritte Teil der Backstage Love Reihe, über den Droemer Knaur Verlag als eBook heraus. Das Buch heißt »Backstage Love - Kopfüber verliebt«. Im Oktober kommt dann auch der dritte Teil meiner Dark Ages Reihe« Gibt es denn schon wieder etwas Neues an dem Sie arbeiten? »Ja, seit circa einer Woche ist ein neuer Plott fertig. Ich denke, es ist normal für einen Autor, dass er spätestens, wenn er mit einer Geschichte fertig ist, bereits etwas Neues im Kopf oder schon geplant hat. Ich wüsste auch nicht, was ich tun sollte, wenn es nicht so wäre und ich nichts zu schreiben hätte. Da würde mir etwas fehlen.« Mögen Sie uns einen kleinen Vorgeschmack geben, worum es gehen wird? »Es wird ein Liebesroman ohne Fantasy-Elemente. Die Protagonistin heißt Ella und es wird eine Trilogie, die wieder in England spielt.« Vielen Dank für Ihre Zeit Frau Lichters! Weiterhin alles Gute und viel Erfolg bei Ihrer Arbeit! »Ich danke Ihnen für die besonderen Fragen und Ihr Interesse!« Mehr zu Kathrin Lichters: kathrin-lichters.de (mw)

  • Menschen
    19.08.2015

    Politiker vorgestellt: Iris Kater

    Seit meiner Geburt bin ich in Viersen tief verwurzelt. Meine Kindheit habe ich mit meinen Eltern im Hamm und bei meinen Großeltern im Rintgen verbracht. Später habe ich in Süchteln und Dülken gelebt. Nach der Geburt meines Sohnes zog es mich wieder zurück in die Nähe meiner Familie in das alte Gesindehaus des Nelsen-Hofes. Nun bin ich 40 Jahre alt und durfte durch meinen beruflichen Weg viele Orte auf der ganzen Welt kennen lernen – am schönsten jedoch finde ich es in meiner Heimatstadt. Meine berufliche Karriere habe ich beim Amtsgericht Düsseldorf begonnen und danach einige Jahren u. a. in der Verwaltung des Kreises Viersen gearbeitet. 2001 habe ich mich selbständig gemacht und leite seither als Geschäftsführerin meine eigene Firma, die Iris Kater Verlag & Medien GmbH. Wir sind ein Literaturverlag, dem ein Marketingbereich angegliedert ist. Daneben liegt unser Schwerpunkt im weltweiten Lizenzhandel. Mir ist es wichtig, dass ich meine Kompetenzen weiterentwickle. Deshalb habe ich vor einigen Jahren ein Studium zur Betriebswirtin nachgeholt. In meinem Unternehmen bilde ich junge Menschen aus und leite ein Team von motivierten Mitarbeitern. Dabei hilft mir ein möglichst breites inhaltliches und methodisches Wissen. Ständiges Lernen ist daher fest in meinem Leben verankert. Ich bin verheiratet und habe einen 20-jährigen Sohn, wobei wir eine moderne Patchworkfamilie sind und fünf Personen zählen. Zwei wunderbare Söhne (18 und 19) brachte mein Mann Sven mit in unsere gemeinsame Zeit. Bereits seit vielen Jahren bin ich ehrenamtlich aktiv. Ehrenamtliches Engagement hat in unserer Familie Tradition und nimmt einen hohen Stellenwert ein. 2004 gründete ich gemeinsam mit einem tollen Team den Verein Child’s Horizon e. V. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Lesen, Bildung und Integration im Kreis Viersen zu fördern. Im Laufe der Jahre folgten verschiedene Projekte der Kulturförderung. Als Vorsitzende der Viersener Liste im Integrationsrat der Stadt Viersen konnte ich mich in Fragen des interkulturellen Zusammenlebens einarbeiten. Als meine Kinder größer wurden, nutzte ich freie Zeiten, um meine ehrenamtlichen Tätigkeiten zu intensivieren und andere wichtige Bereiche zu unterstützen. Hierzu gehört die Mitgliedschaft in der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein ebenso wie die Arbeit im KKV (Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung) als Vorsitzende des Diözesanverbandes Aachen sowie als Sprecherin des bundesweiten Frauennetzwerkes KKV-Alpha. Was reizt Sie an der Aufgabe, Bürgermeisterin von Viersen zu werden und was hat für sie absolute Priorität, wenn Sie es werden? Ich möchte meinen Mitmenschen ein Mitstreiter sein, Verwaltung und Politik sollen für die Bürger/innen wieder transparent und nachvollziehbar sein. Deswegen wird eine meiner ersten Amtshandlungen die Wiedereinführung einer Bürgersprechstunde sein. Arbeitsmarkt, Verkehrs- und Familieninfrastruktur, Vereinsarbeit und Ehrenamt und vieles mehr stehen direkt hinter dem Haushalt. Es gibt also genug zu tun! Was genau verbindet Sie mit Viersen? Mein Leben! Ich bin hier aufgewachsen und habe zwar noch nie woanders gewohnt, aber aufgrund meines Berufes sehr viele Länder bereisen dürfen. Ich liebe diese Stadt und die Menschen die hier leben. Ich sehe, dass Kinder hier noch wesentlich beschützter aufwachsen dürfen als an vielen anderen Orten. Die Vereinsvielfalt bietet nahezu jedem Menschen ein Zuhause und unsere Landschaft ist wunderbar zum Spazieren, Radfahren, Inlinern … Was macht Viersen für Sie besonders? Welche Potentiale sehen Sie? Die Menschen die hier leben wollen teilhaben und mitmachen wenn man sie denn lässt und nicht nur davon redet. Daraus kann eine Politik in den Augen der Bürgerinnen und Bürger nur gestärkt hervorgehen. Zudem zeichnet es sich ab, dass wir am „Einfallstor“ nach Europa sitzen. Vor dem Hintergrund des Ausbaus der Häfen in Rotterdam und Antwerpen und mit mehr als 18 Millionen Menschen in einem Umkreis von 100 Kilometern, kann hier viel Gewerbe und Industrie mit vielen Arbeitsplätzen angesiedelt werden. Welche Vorteile sehen darin, dass Sie parteilos sind? Es heißt doch Bürgermeister und nicht Parteienmeister! Ich glaube nicht, dass jemand der oder die durch eine Partei aufgestellt und den Wahlkampf finanziert bekommt frei in seinen/ihren Entscheidungen ist. Als parteilose Bürgermeisterin habe ich keine Parteiprogramme oder Fraktionsentscheidungen zwingend zu beachten, kann es aber sehr wohl wenn es sinnvoll ist. So habe ich die Chance gemeinsam mit den Parteien im Rat gemeinsam Dinge für Viersen zu bewegen und es hat sich in anderen Städten bereits gezeigt, dass ein unabhängiger Bürgermeister auch für Parteien von Vorteil ist, denn gute Projekte für die Städte konnten wesentlich schneller und umgesetzt werden. Überschuldung ist auch bei den Kommunen in aller Munde und sparen ist gefragt. Wo setzen Sie den Rotstift an und was ist unantastbar? Den Rotstift müssen wir jedes Jahr neu ansetzen, es muss aber trotzdem möglich sein, die Pfeiler und die Zukunftsfähigkeit dieser Stadt im Blick zu halten und nach vorne zu bringen. Das beginnt bei unnützen Gutachten, der Umstrukturierung verschiedener Arbeitsgebiete ohne Personaleinsparungen bis hin zu der verstärkten Einbeziehung von Bürgen und dem Ehrenamt. Unantastbar sind für mich beispielsweise Projekte der Jugendarbeit. Wenn wir den Haushalt dann auch noch transparenter gestalten, Wege und Prozesse verkürzen, in die Leistungsfähigkeit und Kompetenz unserer Verwaltung wieder mehr Vertrauen, finden wir einen Weg aus dem Schuldensumpf heraus. Wo und wie fühlen Sie sich den Bürgern am Nächsten? Ich bin seit vielen Jahren ständig in allen Stadtteilen unterwegs und helfe wo ich kann, in den Vereinen und Kindergärten, an den Schulen und viel auch bei den Jugendlichen und Senioren, und dadurch sehr viel im Dialog mit den unterschiedlichsten Gruppierungen. Die Menschen lassen mich an ihrem Leben teilhaben, wie kann ich mich den Menschen näher fühlen? Was gefällt Ihnen zur Zeit gar nicht und wie werden Sie es ändern? Mir gefällt es überhaupt nicht, dass die Aufenthaltsqualität für junge Menschen so dürftig ist und wir diesen jungen Menschen wenig Gründe geben ihre Familie und ihren beruflichen Werdegang in Viersen zu verankern. Wir verlieren zu viele junge Menschen an andere Städte. Also werde ich mich mit deren Wünschen intensiv auseinandersetzen und mit allen mir gebotenen Mitteln an der Umsetzbarkeit arbeiten. (mw)

  • Menschen
    18.08.2015

    Politiker vorgestellt: Martina Maaßen

    Ich bin Viersenerin. Hier ist meine Heimat. Hier gehöre ich hin und hier werde ich bleiben. Seit über 50 Jahren lebe ich, gemeinsam mit meinen 4erwachsenen Kindern, in Viersen. Ich bin in Viersen geboren und zur Schule gegangen. Nach einer kaufmännischen Ausbildung bei der Fa. Groschopp und dem Studium der Sozialarbeit habe ich 20 Jahre in Viersen gearbeitet und Flüchtlinge beraten und begleitet. Durch mein zweites Studium der Sozialwirtschaft und meine Forschungs- und Lehrtätigkeit an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach bin ich gut gerüstet eine Verwaltung zu führen. Ich kann Ihnen keine Patentlösungen bieten. Auch den Königsweg habe ich noch nicht gefunden. Aber ich möchte gemeinsam mit Ihnen Viersen gestalten. Bewährtes erhalten und Neues voran bringen! Mir ist wichtig, dass sich Jede und Jeder in Viersen wohl fühlt. Hierzu möchte ich als Bürgermeisterin beitragen. Politik ist meine Leidenschaft! Durch 15 Jahre Stadtrat und 5 Jahre Landtag verfüge ich über vielfältige politische Erfahrungen und Netzwerke, die ich gerne in das Amt der Bürgermeisterin mit einbringen möchte. Ja, ich bin eine GRÜNE! Für Viersen stehen für mich jedoch gemeinsame Lösungen im Vordergrund. Was reizt Sie an der Aufgabe, Bürgermeisterin von Viersen zu werden und was hat für sie absolute Priorität, wenn Sie es werden? Ich bin gebürtige Viersernerin, lebe hier seit 52 Jahren und bin seit mehr als 20 Jahren in Viersen politisch aktiv. Bürgermeisterin in meiner Heimatstadt sein zu dürfen und in verantwortungsvoller Position mitzugestalten, Viersen weiter nach vorn zu bringen und zukunftsweisend auszurichten, diese Herausforderung reizt mich sehr. Absolute Priorität haben für mich folgende Bereiche: Entschuldung des kommunalen Haushaltes z.B. durch die Ansiedlung von Unternehmen mittels interkommunaler Zusammenarbeit und eigener arbeitsmarktpolitischer Programme, um mehr Menschen in Viersen eine Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Frühzeitige Bürgerbeteiligung durch Einbindung der Viersener*innen schon bei den ersten Planungsüberlegungen. Klimafreundliche Stadt z.B. durch Sanierung städtischer Gebäude, kommunaler Förderprogramme für Eigentümer, Wohngebiete mit regenerativer Energieversorgung, Verbesserung der Radwege und des Öffentlichen Nahverkehrs. Förderung von Kindern und Familien z.B. durch inklusives Aufwachsen, Ausbau der KITA-Betreuungszeiten, Gestaltung des Übergangs von der Schule in den Beruf, verbesserte Freizeitangebote und mehr Spielgeräte im öffentlichen Raum. Was macht Viersen für Sie besonders? Welche Potentiale sehen Sie? Viersen ist eine Stadt im Grünen mit einer guten, aber noch ausbaubaren Anbindung an die Oberzentren Düsseldorf, Köln und Ruhrgebiet. Viersen bietet Möglichkeiten für attraktives Wohnen sowie interessante Kultur- und Freizeitangebote. Gerade für die älter werdende Bevölkerung entwickelt sich eine gute Versorgungsstruktur. Unsere Schullandschaft ist gut aufgestellt und bietet mit der Primusschule eine zukunftsweisende Alternative für ein längeres gemeinsames, inklusives Lernen. Weiter zu fördern gilt es die Ansiedlung von Unternehmen bevorzugt im Dienstleistungsbereich und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Durch die kleinstädtische Struktur gibt es handlungsfähige Netzwerke der Wohlfahrtspflege, Vereine, Sportverbände und ehrenamtlich engagierter Bürger*innen. Diese Potentiale gilt es zu pflegen und anzubauen. Welche Vorteile sehen darin, dass Sie Kandidatin einer Partei sind? Durch meine langjährige politische Tätigkeit bei den GRÜNEN bin ich in meiner Wertehaltung gefestigt und geerdet und weiß, wofür ich stehe und was ich erreichen möchte. Im weiteren sind mir die Strukturen und Abläufe sowohl in der Politik wie in der Verwaltung bestens bekannt. Durch meine politischen Funktionen als Fraktionsvorsitzende in Viersen und als Landtagsabgeordnete in Düsseldorf bin ich gut vernetzt, nicht nur in der eigenen Partei sondern auch parteiübergreifend, mit Vereinen, Verbänden und Institutionen. Überschuldung ist auch bei den Kommunen in aller Munde und sparen ist gefragt. Wo setzen Sie den Rotstift an und was ist unantastbar? Unser städtischer Haushalt ist schon „ausgequetscht wie eine Zitrone“. Großes Einsparpotential bietet er nicht mehr. Es geht eher darum, auf kostspielige Ausgaben zu verzichten und neue Einnahmen zu generieren, z.B. Erhöhung der Grunderwerbssteuer. Mit mir wird es keine neuen großen Straßenbauprojekte mehr in Viersen geben. Wir müssen in rentierliche, nachhaltige Maßnahmen investieren, z.B. die Kosten für Energie reduzieren, soziale Maßnahmen fördern, die mehr Menschen in Arbeit bringen und Familien in ihrer Erziehungsverantwortung stärken. Nicht antasten möchte ich: die Stadteilbibliotheken, das Viersener Jazzfestival, die Billard-WM, das Kulturangebot in der Festhalle und in der städtischen Galerie, die Zuschüsse an die Wohlfahrtspflege, ehrenamtlich tätigen Vereine und den Sport. Wo und wie fühlen Sie sich den Bürgern am Nächsten? Im direkten Gespräch und Dialog, sei es auf Veranstaltungen, Festen und Feiern oder bei spontanen Begegnungen beim Einkauf oder in Gaststätten oder bei meinen Bürgersprechstunden. Was gefällt Ihnen zur Zeit gar nicht und wie werden Sie es ändern? Die Einbindung der Viersener*innen bei anstehenden Entscheidungen der Stadt, z.B. bei der Stadtentwicklung und –planung. Hier ist eine frühzeitigere Beteiligung notwendig. Die hohe Zahl an Bürger*innen, die von Harzt IV abhängig sind. Hier gilt es gemeinsam mit dem Jobcenter und der Arbeitsagentur eigene städtische Arbeitsmarktprogramme auf den Weg zu bringen und den Druck auf Berlin zu erhöhen, mehr kommunaler Sozialkosten zu übernehmen. Die geringe Bedeutung erneuerbarer Energien bei der Entwicklung neuer Wohngebiete. Aus meiner Sicht, sollten wir nur noch Wohngebiete mit der Auflage „klimafreundlich“ z.B. bei der Energieversorgung ausweisen. Die noch nicht ausreichende Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Es fehlen Bänke und Spielgeräte sowie Hundewiesen. (mw)

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    18.08.2015

    Politiker vorgestellt: Olaf Fander

    Ich bin Olaf Fander, Bürgermeisterkandidat von FürVIE, 57 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, alles Jungs. Ich bin im Stadtteil Süchteln geboren und lebe da auch immer noch. Dort leite ich auch seit fast 30 Jahren mein eigenes Unternehmen, einen Handwerksbetrieb für Sanitär- und Heizungsbau. Ich meine, es ist an der Zeit, dass Viersen endlich mal einen Bürgermeister bekommt, der wie ich, aus dem Handwerksbereich kommt. Der hier in Viersen eine eigene Existenz aufgebaut hat, der Mitarbeiter führen und motivieren kann und mit beiden Füssen fest im Arbeitsleben steht. Sich jeden Tag aufs Neue für seine Firma einsetzen muss um gegenüber den Mitbewerbern zu bestehen und für seine Mitarbeiter und seine Familie die Lebensgrundlage erhalten muss. Ich bin ein Mann aus der Praxis für die Praxis! Und in der praktischen Arbeit in der Stadtverwaltung gibt es noch eine Menge Potential, das von den bisherigen Bürgermeister-Amtsinhabern nicht genutzt wurde. Viele gute Leute arbeiten in der Stadtverwaltung und wo viele gute Leute arbeiten, muss es auch eine innovative, motivierende Führung geben. Und aus meiner jahrelangen Erfahrung in der Arbeitswelt erkennen Sie, dass ich genau mit diesen Fähigkeiten die Position des Bürgermeisters antreten werde. Meine wichtigste Aufgabe als Bürgermeister wird es sein, die Verwaltung mit ihren über 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu einem wirklichen Dienstleistungsunternehmen zu motivieren und weiter zu entwickeln. Verwaltungsabläufe müssen dringend vereinfacht werden, bürgerfreundlich und damit kundenfreundlich gestaltet werden. Das ist die Bürgernähe die wir in Viersen brauchen um die Bürgerbeteiligung ernst zu nehmen und zu stärken. Dazu gehört eine weitere strenge Haushaltskonsolidierung genauso wie Investitionen für und in die Zukunft unserer Stadt Viersen. Nur mit sparen auf „Deuvel komm raus“ kommen wir nicht weiter. Wir müssen auch Geld ausgeben, wenn wir damit unsere Bürgerinnen und Bürger und unsere Unternehmen stärken können. Denn nur da kommen auch unsere größten Einnahmen her: Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Grundsteuer. Ich will keine Steuererhöhungen und erst recht nicht die Einführung von neuen dubiosen Steuern. Die städtischen Unternehmen Viersener Aktienbau und die Grundstücksmarketing-Gesellschaft, die Stadtplanung und Stadtentwicklung, die Wirtschaftsförderung und das Citymanagement, das sind die Schwerpunkte für eine zielgerichtete Entwicklung unserer Stadt, die unsere Einwohnerzahl mindestens stabil hält, vielleicht sogar ausbaut. Und dazu brauchen wir vor allem auch Familien mit Kindern und Jugendlichen in unserer Stadt. Kinder und Jugendliche sind die Zukunft der Stadt Viersen. Sicher ein abgedroschener Spruch, aber trotzdem hat er immer noch Gültigkeit. Bei ein paar Jugendlichen kommt dann als erstes die Frage nach einem Kino und einer Disco in der Stadt. Ein interessanter Gedanke. Wer aber davon träumt, dass ich, als Bürgermeister, ein Kino oder eine Disco baue, den muss ich enttäuschen. Das ist nicht die Aufgabe eines Bürgermeisters oder einer Stadtverwaltung. Eine solche Investition – und hier spreche ich von ein paar Millionen – erfordert einen finanzstarken, risikobereiten, privaten Investor. Ich verspreche Ihnen aber, wenn ein Investor sich eine solche Aufgabe zutraut und für den Bau eines Kinos oder einer Disco in Viersen bei der Stadtverwaltung anklopft, dann werde ich als Bürgermeister alles daran setzen, mit dem Investor kooperativ zusammenzuarbeiten und alles tun, was von Seiten der Verwaltung aus möglich ist, um das Projekt zu realisieren. Bei der Verlagerung der Skateranlage ging es auch nur mit einem Investor, die GMG. Die finanziert die neue Skateranlage, die mit einem Finanzvolumen von über 100.000 Euro geplant ist. Dafür habe ich mit einem frühzeitigen Antrag von FürVIE die Grundlagen gelegt. Über den Standort – Hoher Busch ja oder nein – kann man noch lange streiten, aber irgendwann muss man eine Entscheidung treffen und die ist nun mal nach Abwägung aller Für und Wider, die Sportanlage am Hohen Busch. Ein sehr gutes Beispiel, wie Politik, Wirtschaft und Verwaltung zusammenarbeiten können und für die Jugend in Viersen etwas bewegen können. Aber nicht nur die jungen Menschen sind wichtig für unsere Stadt. Die 55+ Generation, wie sie genannt wird, hat unsere Stadt dahin gebracht, wo sie jetzt ist: Eine leistungsfähige starke Mittelstadt. Das positivste Beispiel dafür ist unsere Einwohnerzahl. Das Statistikamt des Landes NRW hat uns jahrelang mit Prognosen gedroht, die einen fast drastischen Rückgang unserer Einwohnerzahl prophezeiten. Das ist nicht eingetroffen! Wir haben nicht nur unsere Einwohnerzahl stabilisieren können, sondern in den letzten 10 Jahren (seitdem FürVIE mit im Rat sitzt) auch ab und zu wieder leicht erhöhen können. Das hat mit Wirtschaftsförderung zu tun, das hat mit den interessanten Wohnbaugebieten zu tun und das hat auch mit der 55+ Generation zu tun. Investoren haben schon viele seniorengerechte Wohnungen und Häuser gebaut. Damit binden wir nicht nur die Viersener Senioren an unsere Stadt, sondern es kommen auch welche aus dem Umland zu uns. Diese Angebote sind aber noch lange nicht ausgereizt. Vor allem in Dülken und Süchteln sehe ich da noch eine Menge Potential. Auch Boisheim wird für Senioren interessant werden, wenn das so genannte „Dorvprojekt“ verwirklicht wird. Oft wird auch das Gesundheitswesen unserer Stadt hochgelobt – zu Recht. Aber auch hier wäre noch einige zu realisieren. Zum Beispiel fehlen uns in unseren Krankenhäusern Spezialabteilungen wie zum Beispiel eine Komastation. Da gab es mal einen Investor für, aber leider fand diese Investition in Viersen keine politische Mehrheit – ich war mit FürVIE dafür. Oder auch das von der ASB betreute, aber aus Privatinitiative realisierte Modell des Kutscherhauses an der Dr.-Carl-Schaub-Allee. Ein interessantes Modell, bei dem in zwei privaten Wohngemeinschaften je acht Bewohner leben, die an Demenz erkrankt sind. Ein Wohnmodell, das Nachahmung verdient die der Stadt Viersen für die Seniorenbetreuung sehr gut tun würde. Für die 55+ Generation kann die Stadt Viersen aber noch viel mehr tun. Dazu gehören zum Beispiel auch Leitsysteme für Sehbehinderte in unserer Stadt und das sind nicht nur alte Leute, die sehbehindert sind. Also eine Menge Ansatzpunkte die ich als Bürgermeister anstoßen werde. Die Demographieprognosen zeigen deutlich, dass nicht nur in unserer Stadt immer mehr ältere Mitmenschen leben werden. Ich möchte diese Menschen unbedingt in Viersen halten und dafür müssen wir in einigen Bereichen wesentlich fortschrittlicher denken, planen, umsetzen – sprich anpacken! Meine Aufgabe als Bürgermeister wird es sein zu kooperieren, zusammenarbeiten, motivieren, führen, das muss ich in meinem Unternehmen seit mehreren Jahrzehnten jeden Tag! Diese Erfahrung will ich in den Arbeitsalltag des Bürgermeisters einbringen. Das qualifiziert mich als Ihr Bürgermeisterkandidat aus der Praxis für die Praxis für unsere Stadt Viersen! Was reizt Sie an der Aufgabe, Bürgermeister von Viersen zu werden und was hat für sie absolute Priorität, wenn Sie es werden? Es ist an der Zeit, endlich mal einen Bürgermeister zu haben, der aus dem Berufsleben kommt und nicht aus der Verwaltung oder bereits Beamter ist. Durch mich, als Bürgermeister, werden neue Impulse in die Verwaltung gebracht werden. Ich leite seit fast 30 Jahren erfolgreich meinen mittelständischen Handwerksbetrieb. Und diese Erfahrung bringe ich ein: realistisch, kompetent, umsetzbar. Das gab es bei uns in Viersen noch nicht! Ich kenne Viersen wie meine Handwerkstasche und der Reiz ist, das was ich täglich sehe, zu verbessern, zu verändern, zu erneuert – zum Wohle aller Viersener Bürgerinnen und Bürger. Ich bin kein Bürgermeister der schön redet, sondern ich werde anpacken und dazu werde ich über 800 motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Es gibt nicht eine Priorität! Alles greift ineinander! Verwaltungsabläufe müssen vereinfacht werden. Dazu muss die Verwaltung noch stärker zu einem Dienstleistungszentrum für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Viersen ausgebaut und strukturiert werden. Die Wirtschaftsförderung hat große Priorität, da kam in den letzten Jahren eine Menge Potential für unsere mehr als stabile Einwohnerzahl her. In den nächsten Jahren muss die Wirtschaftsförderung mit der Grundstücksmarketinggesellschaft neu positioniert werden, weil die Wohngrundstücke und Gewerbegebiete weniger werden. Kinder, Jugendliche, Familien haben hohe Priorität. Kindergärten und Schulen müssen bezahlbar bleiben, aber auch modern gehalten werden. Senioren werden auch in Viersen zunehmen. Private Investoren haben schon einiges an seniorengerechten Wohnraum geschaffen, aber da fehlt noch eine Menge! Unsere Straßen und Fahrradwege erfordern teilweise grundlegende Sanierungen und Ausbauten, dafür fehlt aber das Geld. Das Geld haben wir nur, wenn es den Unternehmen und den Einwohnern in Viersen gut geht, da kommt das Geld her: Gewerbesteuer, Einkommensteuer. Also: alles greift ineinander. Es gibt nicht eine Priorität. Alles muss angepackt werden, es gibt viel aufzuholen. Dazu brauchen wir die starke Verwaltung. Ich werde die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür motivieren! Was genau verbindet Sie mit Viersen? Meine Heimatstadt! Die Süchtelner hören das nicht so gerne, aber bei aller Liebe zu meiner eigentlichen Heimatstadt Süchteln, die kommunale Neugliederung liegt viele Jahrzehnte zurück und wir werden sie nicht mehr umdrehen können. Also lasst uns egal ob Dülkener, Süchtelner, Boisheimer oder Viersener gemeinsam unsere Stadt Viersen weiterentwickeln. Nur so geht’s! Was macht Viersen für Sie besonders? Welche Potentiale sehen Sie? Viersen ist eine wunderschöne Stadt, mitten im grünen Herzen des Niederrheins. Fragen Sie Fremde, die nach Viersen kommen, z.B. die vielen Mönchengladbacher, die in Viersen regelmäßig einkaufen. Es macht immer so den Eindruck, als wenn die Viersener selbst, die meisten Probleme mit ihrer Stadt haben. Dafür gibt’s aber keinen Grund. Klar kann man noch vieles schöner machen und verändern, das tun wir aber. Ich bin seit über 10 Jahren im Rat der Stadt Viersen und weiß, was wir alles bewegt haben. Das sieht nicht immer jeder Bürger, aber wenn man mal genau hinschaut sieht man, dass ich Recht habe. Viersen hat sehr schöne Einkaufsbereiche, Viersen hat viel Kunst in der Stadt, Viersen bietet viele Veranstaltungen – auch ohne Kino, auch ohne Disco. Und unsere vielen Feste in den Stadtteilen zeigen, dass wir damit nicht nur die Viersener anlocken, sondern auch viele Menschen aus dem Umland. Potentiale haben wir noch eine Menge! Auch wenn die Neubauwohngebiete weniger werden und die Gewerbegebiete fast alle belegt sind, haben wir im Stadtkern noch eine Menge freies Potential zum Wohnen und für Gewerbe. Ein großes Potential sind unsere Vereine – egal ob Sportvereine oder Brauchtumsvereine. Die beleben unsere Stadt mit vielen Veranstaltungen. Heutzutage ist Vereinsleben nicht mehr für jeden direkt interessant. Da muss man ansetzen und da kann auch ein Bürgermeister mit der Verwaltung und der Politik Zeichen setzen um die Vereine zu stärken. Der Tourismus ist in Viersen bei weitem nicht ausgebaut. Bisher lief der Tourismus mehr oder weniger an Viersen vorbei. Wir sind aber nicht nur Kreisstadt, sondern liegen auch mitten im wunderschönen Landschaftsbereich des Niederrheins – Potential ohne Ende! Welche Vorteile sehen darin, dass Sie Kandidat einer Partei sind? FürVIE ist nur eine kleine Bürgervereinigung auf ausschließlich kommunaler Ebene. Aber gerade deshalb ist es besonders wichtig, dass auch diese kleine Gruppe einen Bürgermeisterkandidaten stellt. Seit 10 Jahren arbeiten wir sehr intensiv in der Viersener Kommunalpolitik. Viele unserer Vorstellungen sind nicht realisierbar, weil die großen Parteien viel zu stark von ihren Grundsatzprogrammen in Berlin gesteuert werden und diese Thesen uns aber nicht unbedingt in der Kommunalpolitik nach vorne bringen. Wir bekommen somit keine Mehrheit in Ausschüssen und im Rat. Mit einem FürVIE-Bürgermeister sähe das ein bisschen anders aus. Und: Der FürVIE-Bürgermeister hätte die volle Unterstützung der Bürgervereinigung FürVIE! Das ist wichtig! So können wir auch als kleine Partei etwas bewegen. Überschuldung ist auch bei den Kommunen in aller Munde und sparen ist gefragt. Wo setzen Sie den Rotstift an und was ist unantastbar? Wir geben unser Geld nicht da aus, wo wir es sparen könnten. Freiwillige Leistungen könnte man einsparen. Aber möchte eine Bürgerin oder ein Bürger die Schließung der Schwimmbäder, Nutzungsgebühren für Sportanlagen, höhere Kindergartenbeiträge…? Das ist mit mir nicht umsetzbar! Genauso wenig wie Steuererhöhungen oder die Einführung neuer Steuern. Land und Bund sind die Hauptverursacher unserer Schulden. Das aktuellste Beispiel ist die Flüchtlingspolitik. Es ist richtig und gut, dass wir viele Flüchtlinge auch in Viersen aufnehmen, aber die Kommunen können es nicht mehr bezahlen. Wir müssen unseren Haushalt bis 2022 konsolidiert haben, das verlangt die Bezirksregierung von uns. Dieses Konzept ist aber schon komplett über den Haufen geworfen, weil hier Kosten auf uns zu kommen, die die Haushaltskonsolidierung ad absurdum stellen. Bund und Land müssen für die Kosten aufkommen! Und zwar voll und ganz. Es ist in Berlin genug Geld da. Herr Schäuble badet vermutlich jeden Tag darin. Die Kommunen müssen damit unterstützt werden. Wir haben in Viersen den Rotstift schon richtig kreisen lassen und mehr geht überhaupt nicht. Irgendwo ist auch beim Sparen eine Grenze für uns erreicht. Freiwillige Leistungen sind auf ein Minimum reduziert. Die Pflichtleistungen fressen uns auf, z. B. kommen fast in jedem Jahr ein paar hundertausend Euro für Hilfen zur Erziehung dazu. Das ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Land und Bund winken ab. Dafür müssen wir wieder neue Sparvorschläge machen um diese Haushaltslöcher zu stopfen. Das ist aber nur ein Beispiel. Ein weiteres die maroden Straßen und Fahrradwege. Wir benötigen einen dicken zweistelligen Millionenbetrag um eine grundlegende Sanierung vornehmen zu können. Das Geld ist nicht da und deshalb wird nur geflickt, bis es nicht mehr geht. Wo und wie fühlen Sie sich den Bürgern am nächsten? Ich bin hier geboren, hier aufgewachsen, ich arbeite hier, hab hier mein Unternehmen, bin jeden Tag mit Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt im Gespräch, nicht nur über die Leistungen meines Handwerkbetriebes. Ich glaube, dass ich die Sorgen und Nöte und auch die Freude und Begeisterung der Bürgerinnen und Bürger von Viersen sehr gut kenne, weil ich ihnen ständig nah bin. Ob in der Kaffeebud, in meinem Unternehmen, bei den Veranstaltungen des Werberings Viersen aktiv e.V. in dem ich 2. Vorsitzender bin oder bei der Brauchtumspflege des Karnevalsvereins. Ich fühle mich überall den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt Viersen nah. Was gefällt Ihnen zurzeit gar nicht und wie werden Sie es ändern? Die Verwaltungsabläufe müssen erleichtert werden. Man hat manchmal den Eindruck, es wird immer schlimmer statt besser. Vieles davon muss sicher auch sein, aber ich meine, da ist noch eine Menge Potential vorhanden, um es für die Bürgerinnen und Bürger bürgerfreundlicher zu händeln. Dafür werden meine über 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da sein. Mit ihnen gemeinsam werde ich nach Lösungen suchen und ich bin davon überzeugt, wir werden auch einige finden. Eine Verwaltung muss bei den Bürgerinnen und Bürgern positiv rüberkommen, das fehlt mir in Viersen. Zu viele Leute in Viersen schimpfen über die Verwaltung. Sicher oft auch unberechtigt, aber auch da muss man den Bürger motivieren und ihm positiv rüberbringen, warum etwas nicht so laufen kann, wie er sich das vorstellt. Eine interessante Aufgabe, ich freue mich darauf! (mw)

  • Menschen
    17.08.2015

    Politiker vorgestellt: Dr. Paul Schrömbges

    Ich bin 1953 in Kaldenkirchen geboren und aufgewachsen. Im Grunde habe ich alle wichtigen Impulse meines Lebens von dort mitgenommen: das Interesse an Bildung, Geschichtlichem im Besonderen, die persönliche Bindung an die katholische Kirche in diversen Ehrenämtern bis heute, die ‚Liebe zum Sport‘ im TSV, dessen Vorsitzender ich immer noch bin, die freiwillige Übernahme von gesellschaftlicher und politischer Verantwortung von Jugend an. In der Jugendarbeit in Kaldenkirchen habe ich auch meine Frau – eine Viersenerin – kennen und lieben gelernt. Die persönlichen Verbindungen zu meiner Heimatstadt sind weiterhin eng, meine Geschwister leben dort. Seit 1980 bin ich verheiratet. Meine Frau ist als Amtsärztin berufstätig. Wir haben fünf inzwischen erwachsene Töchter, die erfolgreich ihre Schul- und Hochschulausbildung (bis auf die jüngste, die noch studiert) abgeschlossen haben. Die (Schwieger-) Söhne kommen nun hinzu, im Januar wurde unser erstes Enkelkind geboren (‚natürlich‘ ein Mädchen). Ich habe nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium in Viersen 1972 und der Ableistung des Grundwehrdienstes an der Universität in Bonn studiert und neben den Staatsprüfungen für das Lehramt am Gymnasium auch zwei akademische Grade erworben. Bis heute interessieren mich philosophische, soziologische und historische Themen, auch in der deutschen Literatur halte ich mich auf dem Laufenden. Wenn es eben geht, schreibe ich jedes Jahr einen Beitrag zu einem historischen Thema, in der Regel im Heimatbuch des Kreises Viersen. Nach Studium und Referendariat wurde ich 1980 Lehrer für Deutsch, Geschichte und Sozialwissenschaft in Gymnasium in Königswinter und am Erzbischöflichen Gymnasium in Brühl. Von dort wechselte ich nach 5 Jahren in die Schulabteilung des Kölner Generalvikariates und war 16 Jahre lang als Schulrat mit verantwortlich für die Leitung und Gestaltung der 52 Katholischen Privatschulen im Erzbistum Köln. Eine spannende und interessante Aufgabe der äußeren und inneren Schulangelegenheiten, in der ich viel gestalten und mit zwei Neugründungen von Schulen auch pädagogisches Neuland betreten konnte. 1993 bin ich mit meiner Familie von Bonn nach Willich gezogen, damit wir uns mehr um die erkrankten Eltern und Schwiegereltern in Nettetal kümmern konnten. Dieser Wechsel war der Anlass, dass ich – mit einigen Zufällen – von 1994 an auch in der Kommunalpolitik tätig werden konnte. Ich habe zahlreiche Funktionen übernommen, u.a. war ich 20 Jahre lang stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Willicher Stadtrat, Mitglied des Kreistages, langjähriger Willicher CDU-Vorsitzender und stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender. Ein schöne, aber auch anstrengende Zeit, in der ich Vieles über Politik gelernt habe, Verbindungen und Kenntnisse, die mir auch mein aktuelles Amt in Viersen erheblich erleichtern. Für mein politisches Handeln dient mir die christliche Soziallehre als Kompass – mit kurzen Regeln für den Entscheidungsfall: 1) Personalität: Jeder Mensch ist wichtig. 2) Solidarität: Jedem Menschen wird geholfen. 3) Subsidiarität: Jeder Mensch tut, was er kann. 4) Sozialität: Gemeinwohl vor Eigenwohl. 2002 wählte mich der Rat der Stadt Viersen zum Beigeordneten für Kinder, Jugend, Familie, Soziales, Gesundheit, Wohnen, Schule, Sport und Kultur, 2010 wurde ich wieder gewählt. Vertretungsweise habe ich jeweils auch für längere Zeit die Leitung des Technischen Dezernates und der Kämmerei ausgeübt. Seit dem vorigen Jahr bin ich Erster Beigeordneter und somit ständiger Vertreter des Bürgermeisters in der Stadtverwaltung. Was reizt Sie an der Aufgabe, Bürgermeister/in von Viersen zu werden und was hat für sie absolute Priorität, wenn Sie es werden? Der Bürgermeister hat eine Doppelfunktion: er ist Chef der Verwaltung und hat die rd. 1.100 Mitarbeiter/innen der Stadtverwaltung zu führen, zugleich ist er oberster Vertreter und Repräsentant der Stadt nach innen und außen. Ich habe in den vergangenen Jahren beide Funktionen im Rahmen der Vertretung meines Dezernates kennen lernen können. Ich fühle mich aufgrund meiner langjährigen Erfahrung gut auf die neuen Herausforderungen vorbereitet. Es würde mich freuen, wenn ich nach der ‚Teilverantwortung‘ nun auch die ‚Gesamtverantwortung‘ wahrnehmen könnte. Als Bürgermeister wäre es mir wichtig, langfristig wichtige und wirksame Entscheidungen und Beiträge zu liefern und die für deren Umsetzung notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Dazu zählen neben der Weiterentwicklung der sozialen Qualität unserer Stadt vor allem die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Zukunft von Gewerbe und Einzelhandel. Was genau verbindet Sie mit Viersen? Ich habe Viersen zunächst als Schüler kennengelernt – und nie gedacht, dass mich mein Lebensweg hierher zurückführen würde. Nachdem ich 1993 in den Kreis Viersen zurückzog, rückte die Stadt wieder mehr in meinen Focus, zunächst und vor allem in kreispolitischem Kontext. Seit 2002 habe ich zahlreiche Institutionen und Menschen in Viersen kennen und schätzen gelernt. Ich bin in Viersen vielfältig vernetzt und bekannt. Viersen strahlt jene besondere Form der Urbanität aus, die eine Kreisstadtauszeichnen sollte: mit urbanem Anspruch, zugleich eine Stadt im Grünen. Hier kann man wohnen, leben und arbeiten. Meine Frau und ich können uns sehr gut vorstellen, die dritte Lebensphase (in geeigneter häuslicher Umgebung für uns und die Kinder und Kindeskinder) in Viersen zu verbringen. Zumal unsere älteste Tochter (mit Mann und Kind) im nächsten Jahr nach Viersen ziehen wird. Was macht Viersen für Sie besonders? Welche Potentiale sehen Sie? Ich bin der festen Überzeugung, dass Viersen im vergangenen Jahrzehnt sich in vielen Bereichen sehr gut aufgestellt hat. Viersen hat bis heute mit dem Erbe des postindustriellen Zeitalters zu kämpfen: vor allem die hohe Langzeitarbeitslosigkeit für ungelernte Arbeitskräfte einschließlich der daraus resultierenden Folgen stellt soziale Auffälligkeit dar. Im vergangenen Jahrzehnt haben Rat und Verwaltung die richtigen Zukunftsentscheidungen getroffen, die in den nächsten Jahren weiter zu entwickeln sein werden: Ausbau der Stärken (als Gesundheits-, Verwaltungs- und Kulturstandort), Entwicklung der Innenstädte, Entwicklung des Wohnstandortes, Ausbau der Infrastruktur, Entwicklung von Handel und Gewerbe. Viersen hat als lebendiges Mittelzentrum und Kreisstadt eine positive Entwicklung realisiert, der Zuzug in die Stadt hält an. Die Fortsetzung dieser Entwicklung wird man sich allerdings weiterhin erarbeiten müssen. Welche Vorteile sehen darin, dass Sie Kandidat einer Partei sind? In der Demokratie braucht man Mehrheiten: Solidarität und Unterstützung von politisch Gleichgesinnten, um Konzepte und Beschlussvorlagen zu erarbeiten und Mehrheiten im Rat und seinen Gremien zu gewinnen. Ich bin überzeugter Christdemokrat mit beträchtlicher politischer Erfahrung, in der Viersener Parteienlandschaft gut vernetzt. Ich bekenne mich zu dieser Mitgliedschaft, die auch meine politische Heimat zum Ausdruck bringt. Überschuldung ist auch bei den Kommunen in aller Munde und sparen ist gefragt. Wo setzen Sie den Rotstift an und was ist unantastbar? Viersen fährt seit der Mitte der 90er Jahre Sparhaushalte. Der Haushalt der Stadt leidet darunter, dass in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche große Arbeitgeber ihre Betriebe geschlossen haben und eine schwierige soziale Situation übrig geblieben ist. Ich habe für mein Dezernat stets die ‚Losung‘ ausgegeben, dass man ein ‚sowohl-als auch‘, nicht ein ‚entweder-oder‘ als Leitidee heranzieht. Schwerpunkte des ‚engeren Gürtels‘ waren viele (freiwillige) Standards, aber auch der Personalhaushalt. Andere stark steigende Belastungen sind uns von Gesetzes wegen auferlegt: Asylbewerber, Jugendhilfe, Kindergärten usw. gem. Haushaltssicherungskonzept müssen wir den Haushaltsausgleich bis 2022 erreichen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Stadt dies erreichen wird. ‚Rotstifte‘ im Sinne massiver Einschnitte und Kürzungen halte ich nicht für notwendig, wohl aber den Verzicht auf alles, was über das Notwendige hinaus zusätzlich wünschenswert wäre, aber nicht bezahlbar ist. Manches ist auch ein bürgerschaftliches Problem: z.B. die Sauberkeit in der Stadt. Wo und wie fühlen Sie sich den Bürgern am nächsten? Ich bin gerne zu einem ‚Klön‘ unter Menschen. Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich zwischen ernsten und lockeren Gesprächsthemen frei wechseln kann und keine Boshaftigkeiten und kein (oft anonymes) Nachtreten zu befürchten ist. Ich bin von klein auf ein Vereinsmensch: dort fühle ich mich wohl. Was gefällt Ihnen zurzeit gar nicht und wie werden Sie es ändern? Richtig schwerwiegende Defizite und Ärgernisse sehe ich nicht. Ich wünschte mir, dass man in Viersen besser über die Stärken und Schönheiten der Stadt spricht, und darüber, dass sie auf einem guten Weg ist. Dazu trage ich gerne bei. (mw)

  • Menschen
    17.08.2015

    Politiker vorgestellt: Sabine Anemüller

    Mein Name ist Sabine Anemüller, ich bin 51 Jahre alt und gebürtig aus Oberhausen. Nach meinem Schulabschluss und einer kaufmännischen Ausbildung habe ich ein Studium der Betriebs- und Volkswirtschaft in Duisburg absolviert und meine ersten Berufsjahre als Controllerin bei einem internationalen Unternehmen in Essen verbracht. Über ehrenamtliche und sozialarbeiterische Tätigkeiten bin ich zur Stadtverwaltung Duisburg gewechselt, wo ich im wesentlichen in den Bereichen Jugend und Bildung, aber auch in den Bereichen Finanzen und Verwaltungsmodernisierung als Abteilungsleiterin seit über 20 Jahren tätig bin und über eine hohe Verwaltungserfahrung und -kompetenz verfüge. Ich habe zunächst in Duisburg gelebt, war dort verheiratet und habe zwei Töchter bekommen (die heute 16 und 20 Jahre alt sind), mein Mann verstarb vor über zehn Jahren, ich war eine Weile alleinerziehend und bin dann der Liebe wegen vor acht Jahren mit meinen Töchtern nach Viersen gezogen in das neue Wohnbaugebiet Robend hinter dem Viersener Bahnhof. Ich fühlte mich hier in Viersen schon nach kürzester Zeit sehr heimisch, im Wesentlichen natürlich durch die Menschen, die hier leben. Meine politische Heimat war und ist die SPD und ich habe mich hier in Viersen (als meine Töchter dann älter wurden) immer mehr aktiv in das politische Geschehen eingebracht. Angefangen habe ich zunächst als sachkundige Bürgerin, dann wurde ich Ratsfrau, Mitglied im Wirtschaftsförderungs- und Haupt- und Finanzausschuss und nach der letzten Kommunalwahl Vorsitzende des Gesundheits- und Sozialausschusses und zweite stellvertretende Bürgermeisterin. Weiterhin bin ich in das Stiftungskuratorium des Allgemeinen Krankenhauses Viersens und in den Regionalrat der Sparkasse Krefeld-Viersen berufen worden sowie als Vorsitzende in den Beirat der Agnes-van-Brakel-Stiftung. Ich engagiere mich als Vorstandsmitglied im Jugendzentrum Hubert-Vootz-Haus, beim Kinderschutzbund, beim Arbeitskreis der sozialdemokratischen Frauen und in vielen anderen lokalen Vereinen wie dem Heimatverein und beim Karneval und den Schützen. Zu den konkreten Fragen: Was reizt Sie an der Aufgabe, Bürgermeisterin von Viersen zu werden und was hat für sie absolute Priorität, wenn Sie es werden? Der gestalterische Aspekt dieses Amtes ist für mich sehr reizvoll. Und dann die Herausforderung, Politik und Verwaltung im Konsens dazu zu bringen, lösungsorientiert zum Wohle der Stadt und der Menschen zu wirken. Priorität hat für mich, eine Bürgermeisterin für alle Menschen in Viersen zu sein, Bürgernähe zu praktizieren und trotzdem ein politischer Mensch zu sein. Das Einbinden von Menschen – und dabei meine ich Bürgerinnen und Bürger, Politik und Verwaltung – und das Erzielen parteiübergreifender Lösungen, die unsere Stadt lebens- und liebenswert erhalten und gestalten, sind mein Ziel und mein Wollen. (Meine Priorität findet sich unter der letzten Frage – ist m.E. mit dieser Frage hier identisch) Was genau verbindet Sie mit Viersen? Ich bin zwar nicht hier geboren, die Liebe hat mich vor etwa acht Jahren nach hier geführt, aber ich habe mich dann bewusst und sehr schnell für den Wohnort Viersen entschieden, da ich mich hier sofort heimisch und wohl gefühlt habe. Und nicht nur, weil ich die Stadt – und im Übrigen alle vier Stadtteile – sehr mag und weil sich hier eine gelungene Mischung findet aus Brauchtum, Sport und Kultur und vielen anderen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Sondern auch, weil es hier Menschen gibt, die vieles auf die Beine stellen. Ehrenamt hat in Viersen eine hohe Bedeutung. So sind es gerade die Menschen hier, die für mich ein Heimatgefühl erzeugen Mir liegt der niederrheinische Menschenschlag und die offene und kommunikative Art, denen ich in allen vier Stadtteilen begegne. Ob auf Dölker oder Vierscher Platt, in Soetelscher Mundart oder Bossemer Dialekt – in den einzelnen Stadtteilen und Vierteln wird viel Wert gelegt auf die jeweilige Herkunft, pflegt sie und geht damit identitätsstiftend um. Was macht Viersen für Sie besonders? Welche Potentiale sehen Sie? Ich möchte auf ein großes Potential in Viersen an dieser Stelle eingehen: auf den gesunden Branchenmix bei unseren mittelständischen Unternehmen. Diesen gilt es, weiter auszubauen und zu stärken mit der Unterstützung einer agilen kommunalen Wirtschaftsförderung. Die Anbindung der z.T. international tätigen Unternehmen und das Stiften einer lokalen Identität sind für unsere kommunale Landschaft wichtig und notwendig. Auch hier ist mir Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Politik ein wichtiges Anliegen. Ein weiteres Potential ist der in Viersen mittlerweile zu verzeichnende leichte Bevölkerungszuwachs, im Wesentlichen bedingt durch Zuzüge von Familien von außerhalb. Hier hat das Programm, stadtnahe und attraktive, aber auch preisgünstige Wohngebiete zu erschließen, Früchte getragen. Aber auch die Lebensqualität in Viersen, die landschaftlich höchst reizvolle Umgebung und natürlich auch die Nähe zu den benachbarten Großstädten tragen dazu bei, dass unsere Stadt als Zuzugsgebiet als attraktiv wahrgenommen wird.    Welche Vorteile sehen Sie darin, dass Sie Kandidatin einer Partei sind? Da es sich bei der Bürgermeisterwahl in erster Linie um eine Personenwahl handelt, spielt die Partei eher eine untergeordnete Rolle. Auch wenn ich mich als politische Person zu meiner Partei – der SPD – durchaus bekenne, bin ich als Bürgermeisterin auch für die Bürgerinnen und Bürger in Viersen wählbar, die aus persönlichen Gründen der SPD nicht nahe stehen. Zudem ist es ja so, dass die Politik einer Kommune im Wesentlichen durch die parlamentarischen Gremien bestimmt wird, d.h. durch die politische Zusammensetzung des Rats der Stadt Viersen, der durch die Bürgerinnen und Bürger gewählt wird. Die Aufgabe eines Bürgermeisters besteht daher darin, nicht nur die Verwaltungsgeschicke zu lenken und hier auch einen gestalterischen Spielraum auszuschöpfen, sondern vor allem auch mit allen Parteien im Gespräch zu sein, um die Stadt Viersen gemeinsam nach vorne zu bringen. Überschuldung ist auch bei den Kommunen in aller Munde und Sparen ist gefragt. Wo setzen Sie den Rotstift an und was ist unantastbar? Die Pflichtaufgaben einer Kommune sind dem Grunde nach kaum diskutabel, sondern höchstens in ihrer Dimension. Deshalb sind Einsparungen in der Regel nur bei den sogenannten freiwilligen Leistungen möglich. Gerade das aber sind die Leistungen, die die Stadt für die Bürgerinnen und Bürger lebens- und liebenswert macht. Von daher würde ich zunächst alles dafür tun, die Qualität dieser Bereiche wie Sport, Kultur, Bildung, Soziales, Jugend aufrechtzuerhalten und gegebenenfalls nach Bedarf sogar auszubauen. Mögliche Einsparungen sehe ich in Synergien, in dem Aufgaben, die vom Kreis und der Stadt oder den Städten innerhalb unseres Kreises oder auch von anderen benachbarten Städten ähnlich oder gleichartig durchgeführt werden, zusammengefasst werden. Ein Beispiel könnte die Wirtschaftsförderung sein, aber da gibt es durchaus noch weitere Möglichkeiten, die ich gemeinsam mit den Betreffenden ausloten würde. Wo und wie fühlen Sie sich den Bürgern am nächsten? Ich habe durch meine seit Februar alle zwei Wochen stattfindenden Bürgerdialoge ausreichend Gelegenheit gehabt, mit Bürgerinnen und Bürgern explizit ins Gespräch zu kommen. Lockere Gesprächsrunden eignen sich daher für meinen Geschmack sehr gut, um Ideen, Anregungen, aber auch Klagen und Nöte der Menschen aufzunehmen und sich diesen anzunehmen. Als Bürgermeisterin würde ich von daher Sprechstunden dieser Art beibehalten bzw. dezentrale Möglichkeiten anbieten, wo die Menschen sich ohne großen bürokratischen und organisatorischen Aufwand hinwenden können. Darüberhinaus sind lokale Feste, Stadtteiltreffs, Bürgerinformationsveranstaltungen und vieles mehr gute Möglichkeiten, um auf einer informellen Art mit Bürgern ins Gespräch zu kommen und Stimmungen und Ansichten der Menschen mitzubekommen. Das ist für mich Bürgernähe!  Was gefällt Ihnen zur Zeit gar nicht und wie werden Sie es ändern? Ich möchte gerne die Familienfreundlichkeit unserer Stadt stärker betonen, akzentuieren und weiter ausbauen. Ich sehe großen Bedarf bei der Kinderbetreuung, bei den Kleinen, aber auch bei den Schulkindern. Hier fehlt mir zudem die Versorgung mit Mittagessen im Ganztagsbereich. Weiter meine ich, dass Schule nicht nur Landesaufgabe ist, auch wir als Stadt sollten uns nicht nur auf die originären Schulträgeraufgaben konzentrieren, sondern auch Gestaltungsfreiräume nutzen in Richtung ganzheitliches Lernen, wobei mir dabei immer die Sprachförderung am wichtigsten ist. Gerade in der heutigen Zeit, wo wir viele Nationalitäten aufnehmen, ist Integration durch Sprache unabdingbar. Dabei erhoffe ich mir zudem eine künftige stärkere Bundesförderung für die Flüchtlinge im Allgemeinen und für spezielle Integrations-Angebote im Besonderen, um die Finanzierung von Ideen wie Sprachförderung zu realisieren. Weiterhin möchte ich im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten – und damit schließe ich zudem auch privates Sponsoring ein –,  Freizeitangebote für junge Leute ausbauen, wo nach meinen Rückmeldungen ein hoher Bedarf entstanden ist. Und ganz wichtig: Ich will für gesunde Innenstadtteile sorgen und sie stabilisieren mit individuellen Konzepten. Hier möchte mich vor allem zunächst für Dülken einsetzen, da hier der größte Bedarf besteht in den Bereichen Einzelhandel, Leerstandsquote, Geschäftsräume und Bürgerhaus. Foto: Stefan Völker (mw)

  • Menschen
    01.08.2015

    Viersen, bitte Platz nehmen!

    Fast jeder von uns hat ihn: Diesen einen Freund/Freundin, die sich immer besonders engagiert oder um etwas kümmert, sich aber damit niemals selbst in den Mittelpunkt stellen würde. Wir suchen genau solche Menschen. Aber nicht irgendwo, sondern hier, in unserer kleinen Provinz. DU kennst jemanden, der etwas Tolles kann oder macht, über das man mal gesprochen haben sollte? Oder bist DU vielleicht selbst so jemand? Dann nimm Platz auf unserem virtuellen „Sofa“ und erzähl uns und den anderen was die Sache so besonders macht oder warum die Welt davon erfahren sollte. Wie? Schreib uns an info@meinviersen.de. Schreib uns, was du bzw. dein/e Freund/in mach(s)t oder kann(s)t uns was deine Ambitionen sind. Berlin, New York....Bitte...Wer? Wir wollen zeigen, dass auch der Kreis Viersen sehr tolle und sehr besondere Menschen hat, die es ab jetzt genau hier verdient haben, vorgestellt zu werden. Um es mit anderen Worten zu sagen....Hiiiinsetzen. Und zwar zu uns! (dg) (mw)

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